Was sie verbindet? Die eine hat die andere geboren. Der Hund ist jetzt da, nun muss man sich eben um ihn kümmern, sagt Mutti. So wie die Kinder, die waren damals auch plötzlich da und man musste sich eben kümmern. Das will ihre Tochter Karla in jedem Fall anders machen. Also ist sie von Leipzig nach Köln geflohen, hat den Kontakt zur Mutter abgebrochen, das ist einfacher als mit Gerda zu diskutieren. Aber jetzt hadert Karla mit der Ausbildung, kämpft mit der Miete, und mit ihrer Freundin könnte auch mal der nächste Schritt kommen. Ob es eine gute Idee von Karlas Geschwistern war, den beiden zu ihren Geburtstagen - zum 30. und 60. - eine gemeinsame Reise nach Hamburg zu schenken?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.06.2024
Für Rezensent Paul Jandl wirkt Paula Irmschlers "subtile Mutter-Tochter-Geschichte" ziemlich "authentisch", weil Irmschler genau wisse, wovon sie schreibe. Wie Irmschler ist auch ihre Protagonistin Karla - Tochter von Gerda - noch im Wendejahr 1989 in Ostdeutschland geboren und trägt alle Züge der Desillusionierung. Eine wenig lukrative Ausbildung, die kaum Perspektiven bietet, dazu Zwangsstörungen und Scham über den eigenen Körper. Fremd fühlt sie sich auch ihrer Herkunft und der ostdeutschen Prägung ihrer Mutter gegenüber. Als sich die beiden bei einem Ausflug an die Ostsee gegenüberstehen, spürt Karla den Drang zu fliehen, und Jandl hebt hervor, wie es Irmschler gelingt, diesen Konflikt auf wenigen Seiten detailliert zu entfalten. An der Ostsee kommen sich Mutter und Tochter wieder näher, verraten sich kleine Geheimnisse, und Jandl erfreut sich an Irmschler "sprachlicher Delikatesse", mit der sie diesen Moment der Annäherung schildert.
Angeregt liest Rezensentin Katrin Gottschalk Paula Irmschlers Roman über eine Mutter-Tochter-Beziehung, in dem nicht alles auserzählt wird. Zum Beispiel erfährt Gottschalk nicht, warum sich die beiden Hauptfiguren, die in Köln lebende Tochter Karla sowie die in Leipzig lebende Mutter Gerda, einander entfremdet haben. Genau charakterisiert werden die Figuren aber, lesen wir, die ebenfalls im Osten aufgewachsene Karla lebt eher zurückgezogen, Gerda hat in ihrem Leben noch einiges vor. Gottschalk macht sich Gedanken darüber, inwiefern der Pragmatismus hinsichtlich zwischenmenschlicher Beziehungen, der immer wieder im Buch aufscheint, etwas mit ostdeutscher Prägung zu tun hat. Jedenfalls belastet Irmschler ihre Figuren nicht damit, ständig für die ganz großen Themen einstehen zu müssen, freut sich die Rezensentin, und lustig ist das Buch auch immer wieder. Insgesamt etabliert sich hier eine eigenständige Stimme in der literarischen Auseinandersetzung mit Ostdeutschland, so das positive Fazit.
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