Von Lars Geiges, Stine Marg und Franz Walter. Sie spazieren gegen die "Islamisierung des Abendlandes", skandieren "Wir sind das Volk" und schimpfen auf die "Lügenpresse": Die Demonstrationen von Pegida bewegten 2014/15 ganz Deutschland. Nicht nur (aber vor allem) in Dresden, wo Pegida ihren Anfang nahm, wurden Zehntausende mobilisiert. Medien und Politik rätselten: Was ist Pegida? Woher kommt die Bewegung? Was macht sie aus und was treibt ihre Aktiven an? Das Göttinger Autorenteam hat Pegida-Demonstrationen beobachtet und Interviews, Gruppendiskussionen sowie eine Onlineumfrage durchgeführt. So konnte ein tiefer Einblick in die Einstellungen und Überzeugungen der Pegida-Anhängerschaft gewonnen werden. Auch die Gegendemonstranten von NoPegida wurden vom Göttinger Institut für Demokratieforschung untersucht: Inwiefern unterscheiden sich die Lager?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2015
Den von den Politikwissenschaftlern Lars Geiges, Stine Marg und Franz Walter herausgegebenen Band schätzt Eckhard Jesse aufgrund starker Thesen und weil es der erste umfassende Zugriff auf das Phänomen Pegida ist, wie er schreibt, empirisch, analytisch und bewertend. Jesse wünscht den Autoren mitunter mehr Realitätskraft, etwa, wenn sie die Bewegung als Reaktion auf das Gebaren der Wessis nach 1989 werten, rechnet es ihnen aber hoch an, dass sie trotz polemischer Hiebe ohne Antifaschismus-Reflexe auskommen. Bei der kontrastierenden Darstellung von NoPegida-Teilnehmern hätte er sich mehr Tiefenbohrungen gewünscht, um eventuell antideutsche Ressentiments zutage zu fördern. Über Entstehung, Ideale und Feindbilder Pegidas erfährt der Rezensent Aufschlussreiches, manchmal etwas disparat dargeboten, aber aus erster Hand, wie er schreibt.
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