Peter Ackroyd

Die Clerkenwell-Erzählungen

Roman
Cover: Die Clerkenwell-Erzählungen
Albrecht Knaus Verlag, München 2004
ISBN 9783813502411
Gebunden, 256 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

London, 1399: Ein Jahrhundert geht zu Ende. Und mehr. Gespenster ziehen durch die Straßen. Echte und eingebildete. Vom Weltuntergang ist die Rede, von Umsturz, Intrigen, Mord. Im Mittelpunkt der Verstörung steht eine junge Frau, Schwester Clarissa, die Nonne von Kloster Clerkenwell. Visionen hat sie. Feuer und Tod drohten der Stadt, und die Tage König Richards II. seien gezählt. Alles nur das Geplapper einer Verrückten? Oder doch ein Blick in die Zukunft? Während Bischöfe, Edelleute, Gelehrte und d as einfache Volk noch streiten, ob Gott oder der Teufel die Nonne lenken, geht in London die erste Kirche in Flammen auf. Dann die zweite. Zuletzt treibt die Leiche eines bekannten Medikus im Fleet. Panik erfasst die Menschen. Und hinter uralten Mauern planen feine Herren ein blutiges Spiel, von dem nur einer weiß...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.11.2004

Der Rezensent Thomas Leuchtenmüller kommt zu einem durchaus gemischten Urteil über diesen "gut gemeinten, dennoch mediokren Roman eines passionierten Insiders". Einerseits ist er vom Gesamtwerk des Autors begeistert und findet genug Spuren dessen, was er an Peter Ackroyd schätzt, in diesem im Mittelalter spielenden Roman - eine solide Recherche, zum Beispiel. Auch ist er beeindruckt von Ackroyds "Fähigkeit, historische Sprache zu reanimieren". Sein sinnlicher Stil führt dazu, dass "das Leben aus den Zeilen quillt". Ebenso beeindruckt ist er von der Übersetzungsleistung von Eva L. Wahser. Doch all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es dem Roman an Stringenz fehlt. Das Buch wirkt in Leuchtenmüllers Augen, also hätte der Autor noch von einer früheren Arbeit "übrig gebliebene Zettelkästen verwerten wollen". Zudem reicht der Umfang des Buches in den Augen des Rezensenten einfach nicht aus, um die "zentralen Themen der Zeit" anzureißen. Auch mit der Vermittlung historischer Hintergründe ist Leuchtenmüller nicht zufrieden: "Dem Laien wird vieles zu vage sein, der Kenner selten Neues finden."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2004

Bei aller Kunst und Klugheit und aller schlichten Eleganz der Sprache, so das Gesamturteil von Marion Löhndorf zu diesem Roman von Peter Ackroyd, liege seine Stärke dann doch nicht in der Erfindungsgabe oder der Organisation des Erzählten, sondern in der Beschreibung, also - "im Nichtfiktionalen". Hervorragend gelungen ist dem Autor ihrer Ansicht nach eine detailgenaue Schilderung des fremden, zeitlich so weit entfernten mittelalterlichen Alltagslebens. Es seine zu bestaunende Leistung, "diese rauhe, nur noch schwer zugängliche Welt zum Leben zu erwecken", und dies mit großer Kenntnis und mit funkelnden Einzelbildern. Nur würden die Figuren des Romans, so Löhndorf, dagegen dann alle gleichermaßen maskenhaft erscheinen - und auch die Erzählung bewege sich nicht nennenswert von der Stelle. Einen weiteren nicht-fiktionalen Wert dieser Erzählung - die sich an Chaucers "Canterbury Tales" anlehnt, und von Terroranschlägen, sektiererischen Fanatikern und deren politischen Zielen im London des Jahres 1399 handelt, wie man erfährt - hat die Rezensentin dafür noch ausgemacht: der Autor verwische subtil und spielerisch die Trennlinien zwischen Literatur und Wirklichkeit und zwischen der geschilderten Vergangenheit und unserer Gegenwart.
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