Das stereotype Bild des "Milieus der Nacht" wurde in London seit Ausbruch des Hundertjährigen Krieges immer systematischer gepflegt und angeprangert. Die Bürgermeister und Aldermänner warnten vor dieser Gesellschaft von Frauen und Männern, die nachts nach ihren eigenen Werten zu leben, arbeitsscheu, gewaltbereit und sexuell überaus freizügig zu sein schienen. Frank Rexroth macht mit diesem Buch deutlich, wie wichtig solche Stereotype für den Zusammenhalt einer spätmittelalterlichen Stadtgesellschaft und für die Legitimation von "Obrigkeit" sein konnten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.1999
Das Milieu der Randständigkeit existiere nicht einfach so, doziert der Rezensent Rainer Maria Kiesow in seiner Kritik des Buchs, sondern es sei eine "gedankliche Konstruktion" der Normalen, die die Randständigkeit brauchen, um sich selbst als Norm zu setzen. "Perfekt", zeige Rexroths Buch diese Prozesse einer gesellschaftlichen Selbstvergewisserung anhand der Londoner Gesellschaft im Spätmittelalter. Geschrieben findet der Kritiker es hervorragend. Aber irgendwie klingt sein Lob der "Perfektion" auch boshaft. Ihn stört, dass auch ein solches wissenschaftliches Buch eine "imaginäre Gegenwelt" brauche. Wie genau er damit meint, wird nicht ersichtlich. Aber es macht ihn traurig, denn "das Milieu unserer gegenwärtigen Nächte verdunkelt sich dabei bis zur Unkenntlichkeit".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.11.1999
Ausführlich vollzieht Robert von Friedeburg in seiner Rezension die von Rexroth erzählte Geschichte nach, ohne das Buch recht zu bewerten. Besonders interessiert ihn dabei das Verhältnis des Londoner Stadtbürgertums zum an- oder abwesenden König. Die Stigmatisierung des "Milieus der Nacht" dient dabei zur Selbstdefiniton und Emanzipation des Stadtbürgertums von der übergeordneten Macht. Rexroth verfolge "die Entstehung dieses Milieus im Spiegel der Furcht vor ihm".
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