Dass Franz Kafka ein passionierter Kinogänger war, dokumentieren seine Briefe und Tagebücher. Bisher hat man jedoch übersehen, wie stark auch seine literarische Arbeit durch die Wahrnehmungs- und Darstellungsformen des Films bestimmt wurde. Peter-Andre Alt zeigt verschiedene Formen von Kafkas kinematographischem Erzählen, die in den Techniken der Bildverknüpfung, der Verwendung konkreter Motive, den Sehperspektiven, der Körpersprache der Figuren und den dramaturgischen Mustern seiner Geschichten zutage treten. So erschließt sich ein verblüffendes Panorama literarischer Ausdrucksformen, in denen Kafka die Bewegungsfolgen und Kameraeinstellungen, die Stoffe und die Mythen des frühen Kinos adaptiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.11.2009
Entschiedenen Einspruch erhebt Bettina Augustin gegen die Thesen, die Peter-Andre Alt in seiner Studie über die Einflüsse des Kinos auf Franz Kafkas Prosatexte darlegt. Laut Autor sind Kafkas Texte beim "Kino in die Schule" gegangen, wie wir erfahren. Die Rezensentin betont allerdings, dass Erzählweisen, die an ungeschnittene Kamerafahrten oder dramatische Gegenschnitte erinnern, weit über die zeitgenössische Filmpraxis hinausgingen und wenn überhaupt als visionäre Bildästhetik gelten können. Die Rezensentin schreibt es nicht explizit, aber ihre Kritik macht deutlich, dass sie Alts Darlegungen wenig überzeugend findet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2009
Überzeugend findet Rezensent Alexander Honold diese Studie über das "kinematografische Erzählen" Kafkas, die Peter-Andre Alt vorgelegt hat. Anknüpfend an Hanns Zischlers Band über die Kinoleidenschaft Kafkas zeigt der Literaturwissenschaftler seines Erachtens erhellend, wie sich die Kino-Erfahrung in Kafkas Werk niedergeschlagen hat. Er hebt besonders die Ausführungen über den Stummfilm als Schlüssel für Kafkas filmisches Erzählen hervor. Deutlich wird für ihn, dass Kafkas Texte "auf vielerlei Weise" die Filmerfahrungen ihres Autors widerspiegeln. So nennt er in diesem Kontext unter anderem die partielle Übernahme von Themen, Figuren und Handlungsmustern, Perspektivik und Reihungstechnik. Er lobt die Art und Weise, wie Alt Filme und Kafkas Texte miteinander in Beziehung setzt. Als "Kabinettstück" würdigt er die Interpretation des "Schloss"-Romans in der Zusammenschau mit Murnaus "Nosferatu", auch wenn in diesem Fall der "Faktenbeweis einer direkten Verbindung" ausbleibt.
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