Willy Brandts ältester Sohn Peter erinnert sich an seinen Vater als Politiker und Privatmann, der noch in den 1980er-Jahren eine der umstrittensten Persönlichkeiten in Deutschland war. Und er schreibt über das "liebevolle, aber nicht ganz einfache Verhältnis zweier sperriger Menschen". Peter Brandt verbindet die familieninterne Sicht mit dem analytischen Blick des Historikers. So entstand zum 100. Geburtstag von Willy Brandt am 18. Dezember 2013 keine Biografie im herkömmlichen Sinne, sondern ein Essay, der Privates und Politisches gemeinsam deutet und bislang weniger bekannte Züge dieser Jahrhundertgestalt mit kritischer Zuneigung herausarbeitet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.12.2013
Recht knapp bespricht Hartmut Palmer Peter Brandts Erinnerungen an seinen Vater. Dies, obgleich das Buch für ihn Überraschungen bereithält. Vor allem des Sohnes nachsichtiger Umgang mit Brandts letzter Ehefrau Brigitte verblüfft den Rezensenten. Aber auch der milde Blick auf die politischen Weggefährten Schmidt und Wehner. Einen möglichen Grund findet Palmer in der Perspektivik: Indem der Autor als Historiker spricht, weniger als Sohn, wirkt sein Urteil objektiv. Dass Peter Brandt dennoch mitunter auch als Sohn spricht, macht die Lektüre für Palmer noch spannender. Schließlich weiß der Sohn Dinge, die jedem Historiker verborgen bleiben müssen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2013
Dieses Erinnerungsbuch des Brandt-Sohnes Peter Brandt, pünktlich zum 100. Geburtstag des Politikers auf dem Markt, überzeugt Rezensentin Daniela Münkel nicht zuletzt als eines der wenigen Bücher, die etwas Neues zum Thema zu sagen haben. Formal gelingt das Vorhaben laut Münkel schon mal durch die Kombination aus Lebens- und persönlicher Familien- bzw. Vater-Sohn-Geschichte. Der Autor, im Beruf Historiker, ist dafür gut prädestiniert. Gut gefallen hat Münkel darüber hinaus die Ausgewogenheit des Textes, der keine Zornesausbrüche gegen den Vater enthält. Im Gegenteil, staunt die Rezensentin, der Autor widerlegt die Vorstellung von dem fernen Vater zugunsten einer liebe- und verständnisvollen Vaterfigur. Richtig spannend findet Münkel die Passagen, in denen Peter Brandt das Umfeld seines Vaters jenseits von Bahr und Co. beleuchtet. Überraschenderweise für die Rezensentin tauchen da Nachbarn auf und alte Freunde aus der SAP, und Herbert Wehner steht auf einmal nicht mehr als Verräter dar.
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