Peter Dinzelbacher (Hg.)

Mensch und Tier in der Geschichte Europas

Cover: Mensch und Tier in der Geschichte Europas
Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2000
ISBN 9783520342010
Gebunden, 670 Seiten, 34,77 EUR

Klappentext

Der Band bietet einen systematischen Überblick über das Mensch-Tier-Verhältnis in Europa von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Für jede historische Epoche werden zunächst die materiellen Aspekte "Nahrung und Jagd", "Arbeitskraft", "militärischer Gebrauch" und "Vergnügen" behandelt. Hierauf folgen mentalitätsgeschichtliche Ausführungen zum Tier in Religion und Ethik, in Literatur, bildender Kunst, Musik und in der Wissenschaft. Ein Register der behandelten Tiere sowie ein Orts- und Namenregister erleichtern den punktuellen Zugriff und machen den Band zusammen mit dem ausführlichen Literaturverzeichnis zu einem Kompendium zur Kulturgeschichte von Mensch und Tier.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.10.2000

Katharina Rutschky setzt sich mit vier Neuerscheinungen über den menschlichen Umgang mit Tieren und die moderne Kritik an der Evolutionstheorie auseinander. Nicht der Angriff auf die Theologie werde Darwin heute vorgeworfen, sondern vielmehr die "Dynamik der Evolution", schreibt sie. So gebe es heute neben der Faszination an den modernen Biotechnologien gleichzeitig eine "fast religiöse" Rückbesinnung auf die Natur. Damit beschäftige sich das Buch
1) Burkhard Müller: "Das Glück der Tiere"
Der Literaturwissenschaftler Burkhard Müller betreibe hier einen "sprachlich brillanten Aufwand", um zu zeigen, dass eine individuelle Existenz nur möglich sei, wenn man Darwins Lehre überwinde. Damit flüchtet Müller sich aber in eine "feige Metaphysik", so die Rezensentin. Rutschky macht darauf aufmerksam, dass das "Glück der Tiere" im Grunde erst begonnen hat, als Darwin den Menschen zum "fellow animal" erklärt und ihm damit seinen Status als höherstehendes Wesen abgesprochen hat.
2) J.M. Coetzee: "Das Leben der Tiere"
Rutschky preist dagegen das "kleine, raffinierte Meisterwerklein" des südafrikanischen Schriftstellers J.M. Coetzee, eine "philosophische Erzählung" mit Fußnoten zum Stand der Wissenschaft über eine alte feministische Schriftstellerin, die sich an einer Universität mit ihrem vehementen Eintreten für das Wohl von Nutz- und Schlachttieren "lächerlich macht". Rutschky bewundert das Verfahren Coetzees, der die Frau in ihrer ganzen Zwiespältigkeit beschreibe und dabei "jede Raffinesse" aufwende, die einem Schriftsteller heute zur Verfügung stehe.
3) Sarah Blaffer Hrdy: "Mutter Natur"
Um eine weibliche Perspektive der Evolutionstheorie bemühe sich die Feministin Sarah Blaffer Hrdy in ihrem "Wälzer" von fast 800 Seiten. Zu Recht, schreibt Rutschky, denn diese Seite sei von Darwin unter dem Einfluss viktorianischer Frauenideale zeittypisch vernachlässigt worden. Vom Beispiel der Wespen, über die Soziobiologie bis zur Frage der Abtreibung komplettiere die Autorin die Evolutionstheorie um ihre "vorher fehlende Hälfte".
4) Peter Dinzelbacher (Hrsg.): "Mensch und Tier in der Geschichte Europas"
Was die Tiere dagegen von den Menschen zu erwarten hätten, referiere der "nüchterne, fast meinungslose" Sammelband des Herausgebers Peter Dinzelbacher. Ausgehend von der Vorgeschichte, der griechischen und römischen Antike werde hier beschrieben, wie zum Beispiel die Römer sich in aller Unschuld an den blutigen Tier- und Menschenkämpfen delektierten. Das Buch weise schließlich auf die Spaltung im Bewusstsein der Moderne hin, wo der Schutz der Natur und deren industrielle Ausbeutung miteinander einhergingen. Das alles beschreibt die Rezensentin, um am Ende doch zu Darwin zu halten und seiner Lehre von der ständigen, wenn auch ungerichteten Weiterentwicklung. Rutschky fasst das in dem Sinnspruch zusammen: "Das Leben geht weiter..."

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