Peter Handke

Schnee von gestern, Schnee von morgen

Cover: Schnee von gestern, Schnee von morgen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518432259
Broschiert, 74 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Ein Stück für die Bühne, ein Drama ohne Rednerwechsel, ein Lied ohne Kehrvers. Im Gehen trägt er zusammen, was ihm begegnet, Tag für Tag, Schritt für Schritt: zwei Raben zu seinen Füßen, ein angebissener Apfel am Wegrand, der Fliegenschwarm, "der auf der Stelle fliegt". Dazwischen Gedanken an den durch Weltgeschehen und -geschichte irrenden Odysseus, Erinnerungen an die Schlange am Kindswaldrand, der Klang der Regentropfen im Laub, das Bild der Wolkenschatten. Dann das "Lachen von Kindern am Horizont", ihr ausgelassenes Spiel, das den Krach am Straßenrand übertönt. Dort findet er den Frieden, den es nicht gibt, "im Mundschwung des Kindes, dort herrscht er". Bis der eine, der da unentwegt spricht, aufbricht und ein anderer kommentiert: "Angeblich soll er vor einiger Zeit noch gesehen worden sein, als letzter Fahrgast hinten zusammengekauert im allerletzten Nachtbus."Schnee von gestern, Schnee von morgen ist ein Stück für die Bühne, ein Drama ohne Rednerwechsel, ein Lied ohne Kehrvers. Als ob Peter Handkes Figur sprechend und singend versucht, sich in die Stille einzuhören, also zugleich wegzuhören, Welt und Welterfahrung gerecht zu werden. Der Sprecher fällt sich selbst ins Wort, setzt neu an, und er sammelt nicht nur auf, was ihm im Gehen begegnet, sondern folgt auch den "Nachbildern bei geschlossenen Augen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2025

Rezensent Andreas Kilb freut sich sichtlich, dass Peter Handke noch unter uns weilt. Der betagte Dichter kann sich gern schon mal mit seinen Dämonen versöhnen und gen Himmel blicken, solang er noch so frisch auftextet, findet Kilb. Für ihn ist der schmale Prosaband altersmilde und überschäumend zugleich, assoziiert der Autor doch fröhlich und widerspruchsreich drauflos (und auch mal sinnfrei), verliert sich in Erinnerungen und will eines offenbar auf keinen Fall: zum Denkmal erstarren. Das generiert auch mal Belangloses innerhalb der "Selbstbefragung", stellt Kilb fest, doch nimmt der Rezensent das (gerne) hin, liest sogar zum zweiten Mal die Wortkaskaden und lauscht andächtig der Melodei.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 24.01.2025

Rezensent Christoph Schröder liest Peter Handkes neue Miniatur mit Interesse, aber auch mit scharfem Blick für Gestelztes. Das kommt vor und sollte es nicht, meint er. Das meiste aber lässt sich laut Schröder Handkes "Poetik des unverbundenen Augenblicks" zuordnen. Ein Ich-Erzähler streift umher und notiert, was er an Nebensächlichem wahrnimmt, Wolkenschatten, eine Fliege, Kinderlachen. Verwandlung der Welt in Sprache, gefolgt von Reflexion, so schildert Schröder den Vorgang. Am besten gefällt ihm das, wenn fein Formuliertes, Lektüreerinnerungen und Betrachtungen miteinander reagieren. Manchmal kommt aber nur Pathos raus, meint Schröder.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.01.2025

Sollten es diese Zeilen auf die Bühne schaffen, empfiehlt Rezensent Egbert Tholl sie "allen Krankenkassen als günstiges Mittel gegen Hysterie". Man kann hier laut Tholl dem Dichter - ganz anders als in Handkes sorgfältig konstruierter Literatur - in performativer Direktheit dem Dichter beim Sprechen zuhören. Leise Töne schlägt Handke in diesen vom Verlag als "Drama ohne Rednerwechsel" bezeichnetem Büchlein an, "Krakelerei" ist ihm hingegen fremd, so der Kritiker. Im Gegenteil - er hat das Gefühl, er treffe Handke hier zum kontemplativem Schneespaziergang und höre ihm beim Denken zu. Vielleicht sind ja die alten Haltungen, Erfolge und Polemiken auch "Schnee von gestern?", erlaubt sich der Rezensent zu vermuten. "Resignation" hört er hier heraus, sondern den Versuch, dem "Unbill der Zeit" entgegenzutreten.

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