Peter Handke

Zdeněk Adamec

Eine Szene
Cover: Zdeněk Adamec
Suhrkamp Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783518429204
Paperback, 71 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

"Eine weitläufige Szene", ein öffentlicher Ort, "freilich kein freier Platz"; möglicherweise in der spanischen Provinz Avila oder in Humpolec in Böhmen, jetzt oder zu einer anderen Zeit. Ein Erzähler, der einer von "uns" ist, umschreibt Ort und Zeit für das folgende Spiel. Die Spieler, das sind Übriggebliebene einer ursprünglich dicht bevölkerten Szenerie, Einheimische, Zugereiste, Inländer, Ausländer, Junge, Ältere, vielleicht die letzten Gäste eines Festes. Das Drama, das sie in einem abendlichen, dann nächtlichen Gespräch vergegenwärtigen, hat bereits stattgefunden: Im März 2003 verbrannte sich der 18jährige Zdeněk Adamec aus Protest gegen den Zustand der Welt vor den Augen der Öffentlichkeit auf dem Wenzelsplatz in Prag. Eine wahre Begebenheit? 
"Mit wahren Begebenheiten könnt ihr mich jagen. Und lang genug nun im Leben war ich ein Gefangener all der Aktualitäten", sagt einer. Ein anderer hat recherchiert und liefert Fakten. ("Recherchen, du? Ganz was Neues!") Wie erzählen von Adamecs Leben und Sterben angesichts einer über oder falsch informierten Welt, die Zdeněk Adamec dennoch vergessen hat? Wie überhaupt leben, wenn der Blick in die Welt Empörung erzeugt, Scham oder den Wunsch, auszusteigen. Handkes Figuren sind Profis im Über- und Umspielen, ihr letztes Gespräch ist ein leichtes, temporeiches einander ins Wort Fallen, Korrigieren, Kalauern, ein Spiel vom Fragen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.08.2020

Rezensentin Judith von Sternburg würdigt den Wert dieses Textes über die Selbstverbrennung des tschechischen Studenten Zdenek Adamec: Ihr zufolge sorgt Handke mit seinem Theaterstück dafür, dass die politische Intention hinter dem grausamen selbstzerstörerischen Akt nicht vergessen wird - schließlich hatte Adamec in seinem Abschiedsbrief betont, dass er sich als Opfer eines Systems begreift, in dem "Geld und Macht" über Menschlichkeit gestellt würden, erinnert die Kritikerin. Trotz seines ernsten Themas hat Sternburg das Buch mit Vergnügen gelesen, denn melancholischer Witz und geistreich plaudernde Figuren verhindern ihr zufolge, dass es zu bitter wird.