Peter Heather

Christentum

Aufstieg und Triumph einer Religion
Cover: Christentum
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2025
ISBN 9783608981223
Gebunden, 800 Seiten, 42,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Susanne Held. Peter Heather schildert den langen Prozess der Entstehung des Christentums und zeigt, wie es sich über ein Jahrtausend hinweg verwandelte und zu einem machtvollen Element europäischer Politik und Kultur wurde. Sein großes episches Panorama reicht von den frühen Christenverfolgungen bis zur Etablierung des Christentums als dominierende Religion und autoritäre Institution. Eine moderne Darstellung des historischen Christentums unter dem Aspekt der Machtpolitik für unsere Zeit. Im 4. Jahrhundert brach ein neuer Glaube aus Palästina hervor. Er überwältigte das Heidentum und bekehrte Kaiser Konstantin. Fast 1000 Jahre später wurde ganz Europa von christlichen Herrschern regiert und die Religion, tief in Kultur und Gesellschaft verwurzelt, kontrollierte die Bevölkerung. Doch wie Peter Heather zeigt, war der Aufstieg des Christentums zur europaweiten Dominanz keineswegs unvermeidlich. Er schildert, wie es zum prägenden Merkmal der europäischen Landschaft wurde. Vom Zusammenbruch des Römischen Reiches, der die Religion an den Rand des Aussterbens brachte, bis zur erstaunlichen Papstrevolution im Mittelalter, aus der die Kirche als Haupt einer riesigen internationalen Organisation hervorging, verfolgt Heather die Fähigkeit des Christentums zur Selbstneuerfindung und die erstaunliche Bereitschaft, gezielte Gewalt einzusetzen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.02.2026

Dass gar nicht von Anfang an klar war, dass das Christentum einen weltweiten Siegeszug antritt, sondern es sich um das Ergebnis (macht)politischer Prozesse handelt, ist die wichtige These des Mediävisten Peter Heather, hält Rezensent Stefan Rebenich fest. Ihm gefällt, wie der Autor die Entwicklung des römischen Reichs unter Kaiser Konstantin mit dem Christentum verbindet: Hätte Konstantin nicht die nötigen Ressourcen zur Verfügung gestellt, hätte sich die Religion nicht so verbreiten können, was wiederum ermöglicht, dass die römische Oberschicht konvertiert. Auch die Religion macht Zugeständnisse, um massentauglich zu werden, lesen wir - Heather zeigt hier klar, wie wichtig neben den bekannten und gut erforschten kulturellen Faktoren vor allem die politische Dimension war. Rebenich freut sich über einen erzählerisch überzeugenden, oft leicht ironischen Ton, der ermöglicht, sich grundsätzlich mit dem Christentum auseinanderzusetzen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.12.2025

Rezensent Johann Hinrich Claussen gefällt der Fokus, den Peter Heather in seinem Buch über den Aufstieg des Christentums wählt. Und zwar beschreibt der Historiker Heather die Ausbreitung dieser speziellen Glaubensform in drei Etappen, die erste beschäftigt sich mit dem von Kaiser Konstantin initiierten römischen Christentum, die zweite mit der Germanisierung des christlichen Glaubens nach dem Untergang des Römischen Reiches, die dritte schließlich mit der frühen Papstkirche im Hochmittelalter. Insgesamt geht es also um die Zeit zwischen dem frühen 4. und dem 13. Jahrhundert, wobei sich Heather vor allem für die politische Geschichte des Christentums, also nicht für Glaubenserlebnisse von Einzelnen interessiert. Leitend ist die These, dass die Ausbreitung des Christentums weniger von einzelnen Herrschern vorangetrieben wurde, als von gesellschaftlichen Eliten, die sich an ihren eigenen finanziellen Vorteilen orientierten. Der Fokus auf Machtpolitik und die Interessen der Laien hilft dabei, so schließt die positive Besprechung, wichtige Aspekte der Religionsgeschichte in den Blick zu bekommen - nicht zuletzt auch mit Blick auf aktuelle Entwicklungen etwa in den USA.
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