Peter Henning

Giganten

18 Geschichten
Cover: Giganten
Residenz Verlag, Salzburg 2002
ISBN 9783701713035
Gebunden, 143 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Die Figuren in Peter Hennings Geschichten bewegen sich auf alltäglichem, scheinbar gesichertem Terrain. Doch bereits diese geringe Fallhöhe lässt sie ein ums andere Mal ins Straucheln geraten - und beschert ihnen doch bisweilen neue, unerhörte Einsichten. Da ist der Mann, den die Erinnerung über den Verlust seiner Frau hinwegtröstet. Oder der Nachtportier, welcher der eigenen Trauer zu entgehen hofft, indem er die einer anderen zu lindern sucht. Und wenn das junge Paar in der Geschichte »Libellen« das eigene Leben im Angesicht des Todes feiert, dann scheint darin nur allzu leuchtend das Allgemeine im Besonderen auf. Stets sind es fast unmerkliche Verstörungen, die das Kartenhaus ihrer Existenz zum Einsturz bringen ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.03.2003

Weitab vom "Neuen Deutschen Erzählen" hat Daniel Kehlmann Peter Hennings "leisen und großartigen" Band gefunden. Weitab von den aktuellen Moden also, doch zugleich im Zentrum dessen, was Literatur ist; denn, so fragt er, geht es dabei nicht ganz eigentlich darum, "zu verstehen, warum Menschen tun, was sie tun"? Bei Henning seien es Familienmenschen, denen die Familie auch Abgrund ist, Durchschnittsmenschen, die in ihrer trotzigen Entschlossenheit im sicheren Scheitern so wahrlich wie ironisch zu "Giganten" werden. Schon einige Bücher lang habe Henning das Thema der Familie immer wieder bearbeitet und die literarischen Schreibweisen nach immer präziseren Ausdrucksvarianten dafür erprobt. In diesen Erzählungen nun sieht Kehlmann ihn zur Meisterschaft gelangen; "bewusst, reif und kontrolliert" klinge diese Prosa - "der Ton genuiner literarischer Kunst".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.11.2002

Michael Kohtes erkennt in den Protagonisten dieser Erzählungen ausschließlich vom Leben gebeutelte "arme Wichte", die nicht mit großer Tragik, sondern einfach nur "erbärmlich" und alltäglich scheitern. Dabei findet er es sehr sympathisch, dass der Autor darauf verzichtet hat, sie der "Lächerlichkeit preiszugeben", was wohl das Einfachste gewesen wäre. Statt dessen beobachte Henning seine Helden sehr genau und lasse sie "plastisch" für die Leser hervortreten, lobt der Rezensent in seiner kurzen Kritik. Ihm gefallen die "leisen Töne", mit denen der Autor unaufdringlich seine Geschichten erzählt und er preist ihn für die "Kunst der Reduktion", die er in den Erzählungen unter Beweis stellt. Abschließend bescheinigt er ihm, den Vergleich mit den Short Stories amerikanischer Autoren wie Cheever und Carver nicht scheuen zu müssen.
Stichwörter

Beliebte Bücher

Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…