Christian Weise, ein junger Philosoph und Dichter, reist 1664 im Auftrag des Herzogs August d.J. von Braunschweig-Wolfenbüttel nach Sant' Andrea bei Florenz, um für die berühmte Wolfenbüttler Bibliothek der Herzöge den, wie es heißt, letzten Brief des großen Niccolo Machiavelli zu begutachten und zu erwerben. Eine gewisse Ippolita Machiavelli bietet ihn zum Kauf an. In Sant' Andrea kann die alte Ippolita dem Deutschen in der Tat ein hochinteressantes Konvolut präsentieren: das ausführliche Lebenszeugnis eines großen Denkers. Doch viel Zeit zur Prüfung bleibt Weise nicht. Er gerät ins Netz einer mörderischen Intrige: Ippolita wird ermordet und Weise der Tat verdächtigt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.10.2003
Rolf-Bernhard Essigs Urteil über Chotjewitz' historischen Roman fällt recht ambivalent aus. Einerseits hat ihm die Lektüre durchaus "Spaß" bereitet, da es fortwährend "etwas zu entdecken gibt". Andererseits sei sie aufgrund der "Überfülle der Verweise, Gags und Anachronismen" doch auch anstrengend gewesen. Gefallen haben dem Rezensenten auch nicht der "unentschiedene Ton", die "kitschnahen Beschreibungen" und das oftmals bloß "flachsinnige Philosophieren" des Protagonisten Christian Wiese. Dieser Gelehrte und Schriftsteller aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, ein real existierender Kenner der Schriften Machiavellis, wie Essig anmerkt, wird durch seinen Landesfürsten beauftragt, einen unter ominösen Umständen aufgetauchten letzten Brief des italienischen Machttheoretikers auf seine Echtheit hin zu überprüfen und gegebenenfalls für die Wolfenbütteler Bibliothek zu akquirieren. Dem Autor ist ein "gedanken- und ereignisreicher" Roman gelungen, schließt Essig ein wenig überraschend, dessen Wert auch darin liege, "Lust auf die Originalschriften" Machiavellis und Wieses "angefacht zu haben".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.07.2003
Gerhard Schulz ist von diesem historischen Roman sehr angetan, der die Reise eines deutschen Schriftstellers im 17. Jahrhundert von Zittau nach Florenz reist, um dort den verschollenen letzten Brief von Machiavelli zu findet und in seinen Besitz zu bringen. Der Rezensent betont, dass die literarische Reise durch drei "Zeitalter" geht, nämlich durch das 17. Jahrhundert des Reisenden, das 16. Jahrhundert Machiavellis und nicht zuletzt auch durch unsere Gegenwart, indem der Autor die Schilderungen durch seinen "kritischen Intellekt" filtert. Was Schulz besonders an diesem Roman begeistert, ist, dass trotz der Erkenntnis über die Schlechtigkeit der Menschen und trotz der "Moll-Tonart", von der die Persönlichkeit Machiavellis geprägt ist, von Larmoyanz oder Resignation nichts zu lesen ist. Stattdessen überwiegt "Buntheit und Lebendigkeit" in den Schilderungen, so der Rezensent begeistert. Er scheut sich nicht, diesen Roman als gereiftes "Alterswerk" des Autors zu bezeichnen und er preist das Buch als eine "fruchtbare" Verbindung von "Erfahrung und Einsicht mit erzählerischer Leidenschaft".
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