Der Brisanz des Materials entspricht die Radikalität der literarischen Mittel. In diesem Roman liegen die Fakten auf dem Tisch. Stilsicher, kühn im Aufbau und dramaturgisch modern schreibt Chotjewitz über seinen Freund Klaus Croissant, der als Strafverteidiger schikaniert, als angeblicher Drahtzieher des internationalen Terrorismus verfolgt und nach der Annektion der DDR durch die Bundesrepublik 1990 wegen staatsfeindlicher Agententätigkeit abermals verurteilt wurde. Von 1931 bis 2002 reicht der beklemmende Bilderbogen dieser deutschen Unrechtsgeschichte. Jeder Rechtsspruch ein Rechtsbruch.
Durchaus etwas anfangen kann Klaus Walter mit diesem Roman von Peter O. Chotjewitz über den einstigen RAF-Anwalt Klaus Croissant, eine der meistgehassten Figuren der deutschen Linken. Er hält das Buch im Grunde für eine "dokumentarische Fiktion", eine Art provozierendes Geschichtsbuch, das das untergegangene Milieu der westdeutschen Linken wieder lebendig werden lässt. Darüber hinaus sieht er darin eine Biografie Croissants und zugleich eine Autobiografie des Autors selbst, die als veritable "linke Kotzbrocken" für ihn nicht gerade sympathisch erscheinen. Enervierend scheint ihm allerdings das anstrengende "Pathos der Selbstmarginalisierung", das Chotjewitz pflegt. Aber dank zahlloser Gespräche mit Zeitzeugen, Freunden und Weggefährten Croissants wird das Buch in Walters Augen zu einer höchst instruktiven "oral history of germany", gleichgültig, wie "ärgerlich, abstoßend oder peinlich" ihn die Lektüre bisweilen anmutet. Wenig Gefallen findet er freilich am "Jargon linker Eigentlichkeit", den Chotjewitz in Erinnerung rufe, "bis es wehtut". Walter drückt in diesem Zusammenhang die Hoffnung aus, der Autor führe diesen Jargon nur vor, wobei er sich in diesem Punkt nicht so ganz sicher ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.11.2007
Nicht viel übrig hat Rezensent Max Thomas Mehr für dieses Buch des einstigen RAF-Anwalts Peter O. Chotjewitz über seinen Freund Klaus Croissant, der einst ebenfalls RAF-Anwalt war und später Spion der Stasi. Schon die Genre-Bezeichnung "Roman" hält Mehr für irreführend, denn Chotjewitz, der seinem Freund kein Pseudonym verpasst und selbst in der Person des Erzählers auftritt, spart sich Fiktion und Konstruktion und beschreibt vor allem Reales, die Stuttgarter Linke, den Zeitgeist der Sechziger und die RAF. Dass der Autor dabei "die ideologische Nähe eines Teils dieser Bewegungen zur DDR und zum Terrorismus bis an die Schmerzgrenze ausstellt", rechnet der Rezensent ihm immerhin an. Er moniert jedoch, dass der Autor aber doch nicht mit der ganzen Wahrheit herausrückt, um das Opferbild, das er von seinem Freund Croissant zeichnet, nicht zu gefährden, und so keine "scharfe Nahaufnahme" oder ordentliche "zeitgeschichtliche Aufarbeitung" zustande bringt.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…