Der Kunsthistoriker Claus Jordan führt gemeinsam mit Margret Lambertsen ein renommiertes Antiquitätengeschäft in Frankfurt am Main. Jordan, labil, manisch-depressiv, ständig auf der Flucht in die Vergangenheit, kann sich der realen Welt nur zwischen zwei resoluten Frauen stellen, seiner Teilhaberin Margret und seiner jungen Ehefrau Susanne, einst Lehrling im Laden Lambertsen & Jordan. Auf der Rückfahrt von einer Einkaufsreise in die Provence gerät das Ehepaar Jordan in die obskure Gesellschaft von Grundstücksspekulanten im Kurort Bad Walden. Unter ihnen der Redakteur Uwe Hinz, der den weltfremden Jordan erpressen will. Also täuscht er zusammen mit seiner Verlobten Christa einen Mord vor. Jordan, ohnehin in der Angst vor ständiger Verfolgung, fühlt sich schuldig... Eine erste Fassung des Romans erschien bereits 1981 unter dem Titel "Grüße aus Bad Walden. Mord auf Super 8". Für diese Neuveröffentlichung im Rahmen der Rudolf-Lorenzen-Werkausgabe hat der Autor seinen Roman radikal umgearbeitet.
Beklemmend, aber angesichts seiner Qualität auch beglückend fand Rezensentin Katharina Granzin die Lektüre dieses Kriminalromans, der, wie sie schreibt, die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts seziert. Ein Antiquitätenhändler-Ehepaar gerate in eine Intrige aus Betrug, Medienmanipulation und Mord. Alles spiele in einer fiktiven Schwarzwaldidylle, wo Mief, Enge und die Werte der Nazizeit herrschten. Dem Autor gelinge, der Bedrohung eine spürbare Allgegenwart zu verschaffen. Es sei, als dringe ein polarer Luftstrom ins geheizte Zimmer, bis dort die Temperatur auf den Nullpunkt sinke, gibt Granzin mit wohligem Schauer zu Protokoll.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.01.2009
Als "Drehbuch einer Schauerromanze" beschreibt Ulrich Rüdenauer dieses erstmals 1981 erschienene Buch des Schriftstellers und Drehbuchautors Rudolf Lorenzen. Die Geschichte um ein Frankfurter Kunsthändler-Ehepaar, das in Bad Walden ausspannen möchte, welches sich als alles andere als beschaulich herausstellt, scheint ihm recht kurzweilig. Allerdings fühlt er sich nicht wirklich hineingezogen in die Geschichte, eher hat er das Gefühl, einen Fernsehkrimi zu schauen. Das Ungeheuerliche wird zu seinem Bedauern nicht ins Absurde ausgespielt, "sondern den Gesetzen des Genres gehorchend schließlich auf einen profanen Plot heruntergebrochen". Gleichwohl lobt Rüdenauer den "Scharfsinn" und die "stilistische Prägnanz", mit der Lorenzen das "wohlgesetzte bürgerliche Dasein seiner Protagonisten aus den Angeln hebt".
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