Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.12.2003
Einen "modernen Geistesbruder" von Büchners Lenz erblickt der B. En. zeichnende Rezensent im gleichnamigen Protagonisten aus Peter Weibels Erzählung "Lenz, später". Wie er berichtet, studiert Weibels Lenz Philosophie und Geschichte, arbeitet in der Notschlafstelle und muss das Sterben der Aids-kranken Silvia erleben. Er leidet an der Welt des Absurden, kennt die Angst und die Unruhe, fühlt sich schutzlos und sucht daher eine Stütze in der politischen Aktivität, erzählt unser Rezensent. Seine Seminararbeit über Camus erhelle ihm Pest oder Aids als Metaphern der Ungerechtigkeit, die Revolte als Aufstand gegenüber dem bedrohten Leben. Der Rezensent beschreibt Weibels Text, obgleich lyrisch geprägt, als "philosophisch-politisches Prosastück", das mit viel Empathie und Empfindsamkeit das Innenleben des gequälten Protagonisten entfalte. Das narrative Element sieht er dabei "völlig" hinter den Bewegungen innerhalb der Gedankenwelt zurücktreten. Und wie beim großen Vorbild münde auch Weibels Buch ins Offene.
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