Aus dem Amerikanischen von Stephanie Pannen. Von Gold- und Ränkeschmieden. P. Craig Russel präsentiert eine Comic-Adaption von Richard Wagners Opernzyklus. Russell zeichnet damit die Entwicklung der Figur des (Super-)Helden, wie wir sie heute kennen, nach. Er erinnert uns daran, warum die Kunstform des Comics ein Tor ist, durch das wir die Geschichten aus anderen Welten und der Mythologie betreten können, kurzum: ein Medium gleichermaßen geeignet für das Epos und die Oper. Seit ewigen Zeiten wachen die Rheintöchter über das magische Rheingold, das seinem Besitzer die Macht über die ganze Welt zu verleihen vermag. Sofern er denn der Liebe entsagt. Alberich, der Nibelungen-Zwerg, von seinem Volk verstoßen und von den Rheintöchtern verschmäht, verflucht die Liebe und schmiedet aus dem Rheingold eben jenen schicksalsträchtigen Ring. Dieser allein kann den Göttervater Wotan davor bewahren, Freia, Göttin der ewigen Jugend und Hüterin der goldenen Äpfel, den Riesen Fasolt und Fafnir zu überlassen.
Rezensent Peter Huth hat Wagner im Ohr während der Lektüre dieser Graphic Novel, die, so staunt er, immerhin über 400 Seiten lang ist. Huth ist zunächst etwas skeptisch, ob es gelingen kann, die Bilder, die Wagners Komposition sonst heraufzubeschwören vermag, ins Bildliche zu übertragen. Dann aber ist er positiv überrascht: Zwar erinnert ihn der Stil bisweilen an Marvel, aber Thor mit Adoniskörper oder die nicht nur optisch abstoßenden Gnome in schillernden Farben überzeugen ihn. Dennoch hat das Medium Grenzen, eine Bayreuther Aufführung des "Rings" würde er der Graphic Novel immer vorziehen, bekennt der Kritiker, aber gerade für die, die sich einen anregenden Überblick über die Geschichte verschaffen wollen, ist das Werk durchaus empfehlenswert, meint er.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 07.03.2023
Rezensentin Judith von Sternburg bekommt mit P. Craig Russells schon 20 Jahre altem Wagner-Comic Lust, den Ring zu hören. Das liegt an Russells dickem Auftrag, der Dynamik und schieren rahmensprengenden Überlebensgröße der Götter und Riesen, die Russell so richtig schön grell herausarbeitet, wie Sternburg findet. Raffiniert und rhythmisch lebhaft stellt sich ihr das Ringen um den Ring hier dar. Die deutsche Übersetzung trifft den Ton, und der Anhang bietet interessante Einblicke in die Werkstatt des Autors, meint Sternburg.
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