Dieses mit vielen Preisen ausgezeichnete Buch eines jungen Journalisten versucht, mit erzählerischen Mitteln das grauenhafte Geschehen im Ruanda des Jahres 1994 nachvollziehbar zu machen. Gerade in seinem Beharren auf einer genauen Darstellung der Abläufe greift Gourevitch über den Völkermord von Ruanda hinaus und stellt Fragen, die sich auf den unvorstellbaren Hass von Menschen auf Menschen richten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.12.1999
Diese "Berichte aus Ruanda" des amerikanischen Journalisten Gourevitch, der als Reporter beim "New Yorker" arbeitet, sind ein "erschütterndes Buch", schreibt Michael Birnbaum. Obwohl der Autor keiner der vielen hundert Journalisten war, die jene 100 Tage des Völkermords an den Tutsis 1994 in Ruanda miterlebten und einer tatenlosen Welt davon berichteten, sondern sich erst nachträglich von Opfern und Tätern ihre Version erzählen ließ, findet Birnbaum Gourevitchs Bericht gewichtig genug, um zustimmend Wole Soyinka zu zitieren: "ein grimmiges Buch, eine schwere Last auf dem Gewissen der Welt". Die Versuche des Autors, gleichzeitig auch historische Zusammenhänge in diesem Teil Afrikas zu klären, hält Birnbaum allerdings für "oberflächlich"; er empfiehlt dafür bessere Arbeiten (Prunier, Uvin) und moniert ausserdem die Naivität des amerikanischen Reporters, optimistisch auf den neuen starken Mann Ruandas, Kagame, zu verweisen, obgleich auch dessen Regierung bereits allerlei Rechtsbrüche und undemokratische Gepflogenheiten nachzuweisen sind.
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