Alle wollen Gerechtigkeit - immer für sich, manchmal auch für andere, selten für alle. Aber was ist Gerechtigkeit, und wie ist sie zu haben? Bernhard Schlink bietet weder ein ideales Konzept noch eine einfache Formel. Sein Anliegen ist bescheidener. Er zeigt auf, wie wir immer wieder neu nach gerechten Lösungen suchen müssen und sie finden können. Das ist Arbeit, der Text ist eine Anleitung zur Gerechtigkeitsarbeit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.02.2026
Rezensent Gustav Seibt lobt Bernhard Schlinks Essay über Gerechtigkeit in den höchsten Tönen, wenngleich er ihn vor allem jenen empfiehlt, die sich tüchtig aufregen wollen. Denn statt einfacher Antworten gibt es hier stets abwägende, warnt der Kritiker, den der Text an Gliederungshefte, die Gelehrte im 19. Jahrhundert zu Vorlesungen verteilten, erinnert. Äußerst "kristallin" legt ihm Schlink dar, wie Gerechtigkeit und Ungleichbehandlungen kollidieren können, wie das Beispiel "Frauenquote" zeigt, und wie elementar "Gerechtigkeitsarbeit" ist, etwa mit Blick auf soziale oder politische Gerechtigkeit - Beispiel: Generationengerechtigkeit. Mitunter sind die Beispiele arg knapp gehalten, räumt Seibt ein. Aber nach der herausfordernden Lektüre kennt er sich nicht nur in der "Architektur" der Gerechtigkeit besser aus, sondern erkennt auch: Immer kleinteiligere Gerechtigkeitsforderungen können zu mehr Bürokratie und "Moralisierung des Alltags" führen.
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