Vor 25 Jahren, von April bis Juli 1994, fielen in Ruanda hunderttausende Menschen einem Völkermord zum Opfer, während die Welt zusah. Seither ist das Land, das für viele vormals nur ein Name auf der ostafrikanischen Landkarte gewesen war, zum Inbegriff für einen landesweiten Massenmord geworden. Aber es steht auch für einen staatlichen Wiederaufbau, der Respekt abnötigt. Doch so beeindruckend der Fortschritt auch ist, die Vergangenheit verlangt nach Antworten, die sich nicht in Verweisen auf die wirtschaftliche Entwicklung, die verbesserte medizinische Versorgung oder die erfolgreiche Armutsbekämpfung erschöpfen. Opfer fordern weiterhin die Anerkennung des ihnen zugefügten Unrechts, eine immer noch gespaltene Gesellschaft wartet auf Erklärungen, die Sprachlosigkeit und Ausgrenzung überwinden helfen.
Gerd Hankel verfolgt seit vielen Jahren die Entwicklung Ruandas. Er beschreibt, wie das Land wahrgenommen werden will - und wie es ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.07.2019
Moritz Behrendt nutzt Gerd Hankels Buchfassung seiner Studie von 2016 für ein differenziertes Bild von der Entwicklung Ruandas seit 1994. Der Völkerrechtler Hankel bietet ihm über die Schilderung des Völkermords an den Tutsi von 1994 hinaus vor allem einen Einblick in die Aufarbeitung der Verbrechen durch die dörflichen Gacaca-Gerichte. Der genaue Blick des Autors auf das Agieren der ruandischen Armee im Kongo öffnet Behrendt die Augen für Menschenrechtsverstöße und die Mängel im neuen Ruanda. Die klare Haltung des Autors kann Behrendt begrüßen, mitunter vermisst er allerdings die "Grautöne" im Buch.
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