Aus dem Englischen von Karin Schuler. Ludwig XIV., das meinte bisher: Absolutismus, Zentralismus, "Der Staat bin ich". Seine Regentschaft steht für die Pracht von Versailles, für höfische Intrigen und Machtspiele. Philip Mansel zeigt uns eine neue Seite des Sonnenkönigs: einen Herrscher, dessen Interessen und Ambitionen weit über sein Heimatland hinausreichten. Der Frankreichs Grenzen nicht nur in die Niederlande und Deutschland ausdehnte, sondern auch Kolonien in Amerika, Afrika und Indien errichtete, und dessen Regierungsstil von Brunswick bis Württemberg zahlreiche Nachahmer fand. Das Deutschland des ausgehenden 17. Jahrhunderts ist nur zu verstehen, wenn man Ludwigs diplomatische Schachzüge kennt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.01.2023
Dem Sonnenkönig chronologisch heimzuleuchten, ist für Rezensent Markus Friedrich eine gute Idee. Denn diese Herangehensweise von Philip Mansel zeichnet die persönliche Entwicklung von Ludwig XIV. besonders erhellend nach und lässt nachvollziehen, weshalb dieser französische Monarch zwar für Versailles und den Pomp des 16. Jahrhunderts bis heute berühmt-berüchtigt ist, den Zusatz "der Große" aber zu Recht nicht trägt. Die Biografie, lobt Friedrich, ist im besten Sinn populärwissenschaftlich geschrieben und mit ihren kurzen, anekdotenreichen Kapiteln überaus lesenswert. Friedrich weist auf die gelungene Übersetzung aus dem Englischen und Mansels besonderes Interesse an den politischen Schnittstellen zwischen der französischen und der englischen Politik hin. Trotzdem ist der allumfassende Titel passend, findet der Rezensent, denn Mansel spare andererseits nicht an Informationen über Ludwigs Außenpolitik, die auch den Kolonialismus einschließe. Fazit des Rezensenten: Der Sonnenkönig war kein großer, aber ein bis ins hohe Alter das Zepter wirklich in der Hand haltender Monarch.
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