Philipp Bürger

Geschichte im Dienst für das Vaterland

Traditionen und Ziele der russländischen Geschichtspolitik seit 2000
Cover: Geschichte im Dienst für das Vaterland
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2018
ISBN 9783525370674
Gebunden, 341 Seiten, 70,00 EUR

Klappentext

Die Perestrojka und die Auflösung der Sowjetunion bewirkten in Russland das Ende etablierter Geschichtsbilder. An welche Traditionen sollte man nunmehr anknüpfen? Und in Abgrenzung zu welcher Geschichte sollte das Neue entstehen? Die 1990er Jahre waren durch vielfältige geschichtspolitische Konfrontationen zwischen Reformern, Konservativen, Liberalen und Etatisten geprägt. Die staatliche russische Geschichtspolitik folgte hingegen zunächst keiner klaren Konzeption. Erst mit der Wahl Vladimir Putins zum Präsidenten erlangte Geschichtspolitik für den russischen Staat eine zentrale, legitimatorische Bedeutung. Geschichtsbewusster Patriotismus und die Würdigung einer langen, oft militärisch ruhmreichen, russländischen Geschichte sollen die Entwicklung des Landes unter Putins Führung ideologisch absichern. Philipp Bürger untersucht den staatlichen Umgang mit Geschichte seit dem Jahr 2000 und nimmt drei Kernbereiche russischer Geschichtspolitik in den Blick: Erstens die patriotischen Erziehungsprogramme und deren geschichtspolitische Inszenierungen, zweitens die Veränderungen der geschichtspolitischen Rahmenbedingungen und die Auswirkungen auf die Inhalte von Schulbüchern und den Geschichtsunterricht sowie drittens Präsidentenreden, in denen Geschichte unmittelbar zur Legitimation politischen Handelns in der Gegenwart herangezogen wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2018

Ulrich Schmid hält Philipp Bürgers Dissertation für wichtig und ertragreich. Die russische Geschichtspolitik seit 2000 kann ihm der Autor anhand der offiziellen Feiertage, des Geschichtsunterrichts und der Präsidentenreden veranschaulichen. Von wem und wann der heutige patriotische Herrschaftsdiskurs angestoßen wurde, weiß Bürger auch. Putin, so lernt der Leser laut Schmid, führt die Erfindungen seiner Vorgänger fort, etwa wenn er den patriotischen Geschichtsunterricht fördert. Ein Manko sieht Schmid in der seiner Meinung nach lückenhaften nachträglichen Einarbeitung der Entwicklungen nach der Krim-Annexion und der Gewalt in der Ostukraine.

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