Mit zehn Schwarz-Weiß-Abbildungen. Der Nordpol: Ort der Sehnsucht und Entdeckerlust für das 19. Jahrhundert. Ein Deutscher will bei diesem Abenteuer mit dabei sein: der genialische Kartenzeichner August Petermann. Die Engländer reiben sich erstaunt die Augen, als dieser Bücherwurm, der noch nie einen Eisberg gesehen hat, ihnen erklärt, wo sich - "ernsthaften und besonnenen Berechnungen" zufolge - der für verschollen erklärte John Franklin aufhalten muss. Als die Seeoffiziere sich gegen Petermanns Theorien wehren, zieht er sich tief enttäuscht nach Gotha in Thüringen zurück. Dort erobert Petermann den Nordpol auf seine Weise: auf dem Papier. Und schickt zahlreiche Expeditionen in die Irre, weil er von seiner - falschen - Theorie partout nicht lassen will.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2011
Den Nordpol erfunden hat August Petermann natürlich nicht. Aber eine Idee hatte er, die sich als wirkmächtig erwies: Der Nordpol, vermutete dieser im 19. Jahrhundert lebende Geograf, sei, das ergebe sein Studium der dazu erhältlichen Informationen, vermutlich eisfrei. Manche Expedition startete mit dieser Flause im Kopf. Philipp Felsch geht es nun darum, Petermann, den er als unsympathischen Karrieristen und Opportunisten zeichnet, in seiner Zeit und ihren Diskursen so zu verorten, dass sich ein Gesamtporträt ihrer wissenschaftlichen Irrungen und Hoffnungen ergibt. Im Prinzip gelingt ihm das, lobt der Rezensent Thomas Thiel, durchaus eindrucksvoll. Einzig der durchweg "ironische Erzählton" produziert ein Problem: man kommt dem Protagonisten und seinen Motivationen nicht wirklich nahe.
Mit viel Interesse hat Jens Jessen dieses wissenschaftshistorische Buch über die Visionen des deutschen Geografen August Petermann gelesen, dessen waghalsige Theorien über einen Durchbruch des Golfstroms in das Nordpolarmeer selbst die empirischen Erfahrungen zeitgenössischer Kapitäne überdecken konnte. Philipp Welsch konnte Jessen außerdem einen bedeutenden Kartografen des 19. Jahrhunderts nahe bringen. Allerdings vermisst Jessen eine tragische Fallhöhe bei der Schilderung von Petermanns "unglückseligem Wirken". Auch findet er ein wenig penetrant, wie das Buch immer wieder gebetsmühlenhaft seine Grundgedanken repetiert und kritisiert die Ausführungen mitunter als ein wenig journalistisch. Von wissenschaftlicher Seriosität hingegen künde ein Anmerkungsapparat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.06.2010
Eine Kunst, die das heutige Vertrauen auf Navigationssysteme in Vergessenheit geraten ließ, hat Rezensent Cord Aschenbrenner in Philipp Felschs "Wie August Petermann den Nordpol erfand" wiederentdeckt. Darin geht der Autor der Geschichte des passionierten und vergrübelten Kartenzeichners Petermann nach, der von seinem Schreibtisch aus erfolglos den Nordpol im eisfreien Polarmeer suchte und sich schließlich - für sein Hirngespinst gleichermaßen verflucht wie verehrt - erschoss. Den tragischen Lebensweg seines Protagonisten, der durch die bis 2004 erschienene Zeitschrift "Petermanns geografische Mitteilungen" noch bekannt sein könnte, zeichne der Autor mit tiefsinnigem Witz, Sinn fürs Detail aber auch milden Spott für seinen Helden nach, so der Kritiker erfreut.
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