Aus dem Französischen von Hans Pleschinski.
Philippe ist 17 Jahre alt und ein Außenseiter. Als hochbegabter Sohn des Schuldirektors, der wenig Kontakt zu den Mitschülern hat, lebt er in einem französischen Provinznest. Er fühlt sich von seinem Klassenkameraden Thomas, einem geheimnisvollen und charismatischen Winzersohn, angezogen und ist ganz verblüfft, als dieser sein Interesse erwidert. Thomas wird seine erste und große Liebe. Eine Liebe, die nur im Verborgenen gelebt werden darf und die für Thomas tragisch endet, weil er, geprägt durch die ländlichen Konventionen, seine sexuelle Identität sein Leben lang verleugnen wird.
Als Schwuler in der Provinz aufwachsen - Didier Eribon und Edouard Louis haben aus diesem Thema fast schon ein Genre gemacht, beginnt Rezensentin Dina Netz ihre Kritik. Auch Philippe Besson, ein seit langem bekannter Autor, thematisiert in diesem Buch seine erste und wohl auch größte Liebe. Aber Dina Netz liest sie als "Denkmal einer großen Liebe", das nicht von gesellschaftspolitischen Theorien überwuchert wird. Besson haben diesen Roman, der nur wegen der literarischen Verdichtung als solcher bezeichnet werden könne, aber tatsächlich auf der eigenen Geschichte beruht, geschrieben, als er hörte, dass sich Thomas umgebracht hat: "Hör auf zu lügen" sei in diesem Fall ein wirklich sprechender Titel, denn Thomas, der Bauer aus der Provinz, hat es wohl niemals geschafft, sich zu seiner Homosexualität zu bekennen. Erstmals habe sich Besson so direkt seinem eigenen Leben zugewandt, schreibt Netz, und man spürt die Ergriffenheit der Rezensentin über die radikale Ehrlichkeit seines Buchs.
Tilman Krause spürt die ganze Spannung einer vertanen Lebenschance in Philippe Bessons schmalem und, wie er findet, von Hans Pleschinski anschmiegsam übersetztem autobiografischen Roman. In seiner kammerspielartigen Zurückgenommenheit, seiner Klarheit und seinem Vertrauen auf klassische Erzählmittel gefällt ihm der Text besser als die Bücher von Didier Eribon und Edouard Louis. Zu emotionaler Wucht gelangt der Autor damit durchaus, verspricht Krause. Die Geschichte zweier Liebender, die sich für ein heteronormatives Dasein entscheiden, laut Krause also für eine Lebenslüge, rührt und verstört den Rezensenten sichtlich.
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