Konfrontiert mit Fluchtbewegungen gerät Europa in Panik. Es schickt Militär an die Grenzen, organisiert EU-Austritte, schleift liberale Demokratien und macht sich von autoritären Staaten erpressbar. Seit 100 Jahren ist rassistische Flüchtlingspolitik das zentrale Einfallstor für rechtsextreme Gewalt und ebnet den Weg für Autoritarismus und Faschismus. Doch Fluchtbewegungen müssten nicht unweigerlich zu einem Rechtsruck führen. Sie sind auch politische Bewegungen, die für radikale Solidarität einstehen. Die Flüchtenden bleiben inmitten gewaltvoller Krisen handlungsfähig und kämpfen gegen Lager, Abschiebungen, Rassismus und Grenzen. Seit den 1990er Jahren werden diese Proteste der Refugees und Sans-Papiers dabei von Millionen von Menschen unterstützt. Denn jenseits von neoliberalem Weitertorkeln und faschistischem Hass gibt es eine dritte politische Option: das mutige Einstehen für eine radikal solidarische Welt. Wie können wir die Welt so verändern, dass es keine Grenzen mehr braucht?
Eine Intervention zur richtigen Zeit ist Johannes Siegmund hier gelungen, freut sich Rezensent Björn Hayer, dem gut gefällt, dass der Autor Flüchtlinge nicht als bloße Opfer, und schon gar nicht als Täter, sondern vielmehr als politische Subjekte mit revolutionärem Potential beschreibt. Anhand von Beispielen wie dem "Exodus 47" von Juden, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Richtung Palästina aufbrachen oder auch dem Flüchtlingsmarsch im Jahr 2015 aus dem Nahen Osten in Richtung Europa, zeige Siegmund, wie Migranten ihre Zielländer verändern. Eben weil sie sich oft nicht an die Regeln halten, keine Pässe haben und so weiter erschaffen Flüchtlinge neue Strukturen, Unterstützernetzwerke, transnationale Solidarität, lernt Hayer vom Autor. Diese Perspektivveränderung ist gerade in Zeiten erstarkender Migrantenfeindlichkeit ungeheuer wichtig, findet der beeindruckte Rezensent.
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