Frankreich um 1700: Ein völlig mittelloser junger Mann stiehlt aus einer Kapelle eine Mönchskutte. Er gibt sich zuerst als irischer Pilger aus, dann als japanischer Prinz und - als seine Lügengeschichte aufzufliegen droht - als Ureinwohner Formosas, der von Jesuiten nach Frankreich entführt wurde. Er beschreibt Landschaft, Vegetation, Kultur und Sprache eines Landes, das er nie gesehen hat. In den Niederlanden trifft er auf einen schottischen Geistlichen, der ihm auf die Schliche kommt. Aber der weiß den exotischen Fremden gut zu nutzen. Er tauft ihn und bringt ihn nach London, wo er aufgrund seines eigenartigen Benehmens - zum Beispiel isst er rohes Fleisch - Berühmtheit erlangt. Schließlich plagt George Psalmanazar das schlechte Gewissen und er enttarnt sich als Hochstapler.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2013
Als "schönes und interessantes" Buch lobt Rezensent Hans-Martin Gauger den sechsten Roman der österreichischen Schriftstellerin Rachel van Kooij. Erzählt wird in "Menschenfresser George" die Geschichte des Hochstaplers George Psalmanazar, der im achtzehnten Jahrhundert in Frankreich, England, Deutschland und den Niederlanden durch sein zwanghaftes Geschichtenerzählen zu einiger Berühmtheit gelangte. Begeistert liest der Kritiker nicht nur, wie George sich in seinen originellen Erzählungen unter anderem als Wandermönch, als ein von Jesuiten entführter Adliger der Ureinwohner von Formosa oder als Menschenfresser ausgab, sondern auch wie es der Autorin gelingt, ihre historische Geschichte um interessante Einblicke in die Psyche ihres Helden anzureichern. Nicht zuletzt ist Gauger ganz angetan von der "traditionellen", schlichten und wunderbar fließenden Sprache dieses Buches.
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