Raoul Schrott

Erste Erde

Epos
Cover: Erste Erde
Carl Hanser Verlag, München 2016
ISBN 9783446252820
Gebunden, 848 Seiten, 68,00 EUR

Klappentext

Raoul Schrotts Buch ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit dem heutigen Wissen über die Welt: Vom Urknall über die Entstehung des Planeten bis hin zu uns unternimmt es den großen Versuch, unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse literarisch umzusetzen und sie an einzelnen Lebensgeschichten anschaulich zu machen. In wechselnden poetischen Formen ergibt sich ein breites erzählerisches Panorama. In einem zweiten Teil fasst Raoul Schrott in Sachbuchform unseren heutigen Wissensstand zusammen. Dichtung und Wissenschaft verknüpfend, wagt er sich daran, ein modernes Gegenstück zu Alexander von Humboldts "Kosmos" zu entwerfen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.02.2017

Raoul Schrotts poetisches Epos "Erste Erde" kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, versichert Rezensent Steffen Martus. Denn im anbrechenden "postfaktischen Zeitalter" bedarf es eines Dichters wie Schrott, der sich mit außerordentlicher Gestaltungskraft der objektiven Wirklichkeit bemächtigt und Naturwissenschaften in "Moral" verwandelt, glaubt der Kritiker. Martus begleitet den Autor während der Lektüre etwa zu einem Vulkan in der Danakil-Wüste, wo er etwas von der Dynamik des frühen Sonnensystems zu verstehen beginnt, besucht Fundorte uralter Skelette in Äthiopien oder Tansania, bereist Forschungsstationen und begegnet Astrophysikern, Teleskopbauern oder Mikrobiologen, die ihm "hochkomplexe" Erkenntnisse vermitteln. Wie Schrott dabei auf der Klaviatur der Avantgarde spielt, Prosa mit Versen mischt, Formen oder Perspektiven durcheinanderwirbelt und in durchgehender Kleinschreibung die "Syntax verwischt", ringt dem Rezensenten höchste Anerkennung ab. Ein hinreißendes Buch über die Entstehung des Universums, das den Menschen zu einer Verdichtung von "sonnenstaub" zurechtstutzt, schwärmt der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.11.2016

Mit höchstem Respekt begegnet Josef Reichholf Raoul Schrotts Großwerk, das seinen Lesern keine Mühe erspart: In konsequenter Kleinschreibung und ohne Satzzeichen verbindet es Schöpfungsgeschichte und Kosmologie, Menschheitsgeschichte und Poesie; Erzählung, Experiment und Gedicht wechseln sich ab, kurze Texte am rand erläutern immerhin, an welcher Stelle dieses Gedankenstroms man sich gerade befindet. Durchaus anmaßend findet der Rezensent Schrotts Ehrgeiz, Bibel und Menschheitsgeschichte neu zu erzählen, aber ebenso imposant seinen Erkenntnishunger, der Jahrmilliarden umspannt und alle Disziplinen des Wissens durchkreuzt. Tiefschürfend, strapaziös und erhellend nennt Reichholf das Werk, als Biologe erhebt er allerdings vehement Einspruch gegen jeden Glauben, der Mensch sei das Ziel und Ende der Evolution.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.10.2016

Für Rezensent Roman Bucheli ist Raoul Schrott der "Herkules unter den Dichtern". Längst gibt sich der Autor nicht mehr mit schnöder Poesie oder Romanen ab, fährt der Kritiker fort, der schon Schrotts Neuerzählung des Gilgamesch-Epos' oder dessen wuchtige Neuübersetzung der "Ilias" bewunderte. Mit diesem acht Bücher umfassenden Epos, das nicht weniger will, als die Entstehung der Erde und des Menschen zu erklären, geht der Autor noch einen Schritt weiter, erzählt der Kritiker und stellt fest: Es gelingt. Geradezu missionarisch erscheint dem Rezensenten dieses Dimensionen sprengende Werk, in dem Schrott mit virtuosen Bildern und schöpferischer Kraft, abstraktes Wissen und Erfahrung zu großer Dichtung verbindet. Allein wie präzise Schrott verschiedene Figuren, darunter der Autor selbst, von ihren Forschungen zwischen "Dasein und Erkenntnis" berichten lässt, verschlägt dem Kritiker den Atem.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2016

Rezensent Ulf von Rauchhaupt findet in Raoul Schrotts Epos "Erste Erde" neue Maßstäbe dafür, wie sich ein Dichter in fachliche Details vertiefen muss, der die Naturwissenschaften thematisiert und was so ein Blick dann an Schönheit und Wucht vermitteln kann. Dass der Autor nach epischen Nachdichtungen nun selbst ausholt, um laut Rezensent gewissenhaft entlang des Forschungsstandes Naturgeschichte zu erzählen, von DNA und Planeten, Physik und Geologie, mal aus eigener Anschauung, mal vermittelt durch Ärzte, Forscher und Künstler, scheint dem Rezensenten insgesamt gut zu gefallen, ob Schrott nun in freien Rhythmen oder konkreter Lyrik schreibt, mit oder ohne konkreten Bezug zu Augustinus und Lukrez. Am besten man trägt die Texte nach Rhapsodenart laut vor, rät er.

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