Trotz der erbitterten ideologischen Auseinandersetzungen zwischen links und rechts ist heute unbestritten: 1968 war die historische Zäsur der deutschen Nachkriegsgeschichte seit 1945, vergleichbar nur mit dem Fall der Berliner Mauer im November 1989. Zugleich ist "68" ein Mythos, eine Generationen übergreifende Erzählung, deren Wirkungen andauern ein immer wieder neu betrachtetes schillerndes Phänomen, das auch durch eine noch so akribische Analyse schwer zu fassen ist. Zu vielfältig waren die Wurzeln der Rebellion, zu unterschiedlich ihre Ziele und Protagonisten, zu komplex, ja widerspruchlich ihre Einflusse auf die Gesellschaft.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 13.03.2008
Einem der großen Themen der Leipziger Buchmesse 2008 widmet Stefan Reinecke gleich einen ganzen Stapel Besprechungen: Der Debatte um 1968. Reinhard Mohr widmet sich in seinen Essays "Der diskrete Charme der Rebellion" einzelnen Aspekten von 68, wie der verschwurbelten Sprache der 68er und der Eskalation nach dem gewaltsamen Tod Benno Ohnesorgs, fasst der Rezensent zusammen. Unbekanntes findet sich darin allerdings nicht, winkt Reinecke leicht gelangweilt ab. Zwar habe Mohr eine flotte Schreibe, doch habe man, was er zu sagen habe, anderweitig schon "besser, schärfer und klarer aufgebaut" lesen können. Reinecke vermutet daher, dass sich dieses Buch weniger einem inneren Anlass als vielmehr der "Gedenkroutine" zum runden Jahrestag verdanke.
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