Nach fünf Jahren als Mitglied des Europäischen Parlaments wagt Reinhold Messner, inzwischen 60 Jahre alt, noch einmal ein großes Abenteuer - "einen letzten Grenzgang zwischen Leben und Tod". Er will, einem alten Traum folgend, die Längsdurchquerung der Wüste Gobi versuchen, auf seine Weise - allein, völlig auf sich gestellt und ohne jede logistische Unterstützung. Im Mai 2004 bricht er von Bayant-Ukhaa in der Ostgobi auf, mit einem Rucksack, einem speziellen Wassercontainer und einer GPS-Uhr. Von Jurte zu Jurte, unterstützt nur von Hirtennomaden, schlägt er sich nach Westen durch, die Ost- und Südgobi durchmessend, dann eine sich 300 km hinziehende leere Steinscherbenwüste. Er durchwandert die Westgobi und kehrt nach Überquerung des Altai-Gebirges schließlich nach Ulan Baator zurück.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.11.2005
Messners Expeditionen, immer hinein in die abweisende Welt des Hochgebirges oder hier ins Nichts der Wüste - das hat was von einem Kunstprojekt, findet Martin Z. Schröder. Der Mann mit seinem Körper in Bewegung. Grenzerfahrung und ewige Wiederholung. Ankommen, nur um wieder loszuziehen. Doch Messner wird wohl nicht mehr allzu oft losgehen, nennt die Durchquerung der Gobi seinen "letzten Trip". Der nächste, so Schröder, ist der ins Alter. Und die Wüste? Messner bringt Bilder mit, die beeindruckend, und andere, die deprimierend sind: Nomaden mit Satellitenschüsseln, Obdachlose in winzigen Siedlungen - sie haben sich von ihren Familien gelöst und sind nun allein. Und immer wieder: der Körper in strapaziöser Bewegung. Wo er schmerzt, wo er eitert. "Man muss dankbar sein", schreibt Schröder, "dass es Menschen wie Messner gibt, die einem diese Frage beantworten: Kann ein Mensch durch eine ganze Wüste gehen?" Messner kann offensichtlich.
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