Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.2003
Auf den Tag genau vor hundert Jahren wurde Reinhold Schneider geboren, ein katholischer Intellektueller, der nach Dafürhalten von Richard Kämmerlings in den dreißiger Jahren zum "Kristallisationskern christlicher Opposition" gegen den Nationalsozialismus wurde. Aus Anlass von Schneiders hunderstem Geburtstag sind einige seiner Bücher wiederaufgelegt worden, unter andere auch "Winter in Wien", das 1958 postum erschienen ist und insofern untypisch ist, wie Kämmerlings bemerkt, weil es zutiefst pessimistisch und düster ist. Doch bei allem Skeptizismus ist Schneiders Sprache zugleich eine Ernsthaftigkeit zu eigen, wundert sich Kämmerlings, die uns heute naiv oder zumindest merkwürdig erscheint. Für den Rezensenten ist das ein Hinweis darauf, wie stark die christliche Semantik, die gern von "Opfer " und "Sendung" spricht, durch die Nationalsozialisten diskreditiert worden ist. Was an Schneider heute noch reizt, fasst Kämmerlings zusammen, ist die seltsame Synthese zeitgenössischer Strömungen: Glauben und erschütterter Glauben gepaart mit einer sensiblen Wahrnehmung wissenschaftlichen Fortschritts, die den Autor anmerken ließ, statt des Kaisers residiere jetzt die Atombehörde in Wien. Der Kaiser war ihm sympathischer.
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