Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2002
In Joachim Kalkas Augen ist die von Richard Brautigan erzählte Geschichte einer Frau, die sich aufhängt, auch ein Dokument der "Mühseligkeit", mit der der amerikanische Autor schrieb und sich quälte. Ja, diese zwanzig Jahre nach dessen Freitod erscheinende Publikation erscheint dem Rezensenten nahezu als "beiläufige Absage an alles klassische Erzählen". Nicht nur in Anbetracht des traurigen Themas sei ein "leichter, geheimnisvoller" Text entstanden: Auch die Tatsache, dass der Verfasser bald nach der Niederschrift den Freitod wählte wie seine Heldin, lasse dem Leser einen Schauer über den Rücken fahren. Die feinsinnige Übersetzung des Textes durch Günter Ohnemus lobt Kalka ebenso als "kongenial".
Kurz vor seinem Suizid schreibt Richard Brautigan "Eine unglückliche Frau", sein letztes Buch, das erst 16 Jahre später in den USA erscheint und nun, noch mal zwei Jahre später, "endlich" auch in Deutschland, berichtet Rezensent Frank Schäfer. "Eine unglückliche Frau", das vom Selbstmord einer Frau handelt, ist nach Einschätzung des beeindruckten Rezensenten bei aller Ironie und gelegentlicher "fröhlicher Aufgekratztheit" ein sehr trauriges Buch geworden. Wie Schäfer darlegt, gehorcht es einer "strengen äußeren, beinahe formalistischen Struktur". Wie in allen seinen Büchern schreibt Brautigan laut Schäfer auch hier gegen die Unzumutbarkeit namens Realität an: "und wenn er sie schon nicht vergessen machen kann", erklärt Schäfer, "dann sucht er der Trost- und Sinnlosigkeit der Welt doch wenigstens ein Anteil nehmendes Lächeln, ein empathisches Kopfschütteln, eben ein bisschen Mitgefühl abzutrotzen" - das jedenfalls ist ihm nach Einschätzung des Rezensenten bei aller Traurigkeit voll und ganz gelungen.
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