Aus dem Englischen von Klaus-Dieter Schmidt. Mit 24 Schwarzweiß-Abbildungen. Wer waren die Nazis? Verfolgten sie kriminelle Absichten, oder waren sie "gewöhnliche Deutsche"? Was brachte sie dazu, furchtbare Gräuel gegen wirkliche oder eingebildete Feinde zu begehen oder zu billigen? Warum waren so viele Deutsche an den Verbrechen beteiligt? Wie kam es, dass sie Hitler fast bis zum Ende folgten? Der renommierte Historiker Richard J. Evans zeichnet oft verblüffend neue Porträts der Männer und Frauen, die NS-Deutschland schufen und ihm dienten, angefangen bei Hitler über Paladine wie Göring, Goebbels und Himmler bis zu Exekutoren wie Eichmann und Heydrich, Propagandisten wie Leni Riefenstahl, Täter wie die berüchtigte KZ-Aufseherin Irma Grese und unbekannte Sympathisanten und Mitläufer, die das Regime auf vielfältige Weise unterstützten. Evans hilft die Struktur des Dritten Reiches besser zu verstehen und zeigt auf, wie weit Einzelne gehen, wenn der moralische Kompass abhandengekommen ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2026
Wer mit dem Forschungsstand zu NS-Tätern vertraut ist, wird wenig Neues aus diesem Buch erfahren, meint Rezensent Robert Gerwarth, der Richard J. Evans' Studie gleichwohl positiv bespricht. Evans legt sein Buch Gerwarth zufolge explizit als eine Art Update von Joachim Fests "Gesichter des Dritten Reiches" an, in das neuere Forschungsergebnisse einfließen. Wie Fest bewegt sich auch Evans von der Spitze der Macht, also von Adolf Hitler, über dessen engsten Vertrauten wie Goebbels und Göring, bis zu "Vollstreckern" und - die kommen bei Fest nicht vor - "Werkzeugen", also willigen Mitläufern des NS-Regimes. Eben letztere Passagen gefallen Gerwarth besonders gut, weil der Sozialhistoriker Evans hier zeigt, wie gesellschaftlich Randständige im NS-System aufsteigen konnten - und wie gleichwohl die Menschen stets die Wahl hatten, nicht mitzumachen und zum Beispiel zu fliehen. Die Grundthese des Buches, die darauf hinausläuft, dass Hitlers Bewegung aus ganz normalen Leuten bestand, die sich erst als teil dieser Bewegung stark veränderten, ist bekannt und weitgehend Konsens, stellt der Rezensent klar. Das Buch überzeugt also nicht mit bahnbrechenden neuen Thesen, sondern eher als gut lesbare Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstands.
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