Aus dem Italienischen von Laura Strack. "Wenn es Vernichtung gegeben hätte, wärt ihr nicht hier, um davon zu zeugen." Als mit den Berichten der Zeitzeugen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg allmählich das Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen zutage tritt, erfinden die Holocaustleugner der ersten Stunde einen perfiden argumentativen Kniff: die Negation der Vernichtung. Indem sie die Shoah zum Mythos, Auschwitz zur "Lüge" erklären, machen sie die Überlebenden zu Nutznießern und Betrügern - ein jahrhundertealtes Motiv des europäischen Judenhasses. Bis heute bildet die Vorstellung eines "Komplotts" den Kern antisemitischer Positionen. Angesichts wiedererstarkender rechtsextremer Tendenzen in Europa arbeitet Donatella Di Cesare diese erschreckende Kontinuität heraus und zeigt, wie sich negationistische Positionen in die politischen Diskurse der Gegenwart einschreiben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.03.2025
Ein Buch, das gerade rechtzeitig kommt, legt Donatella Di Cesare hier vor, findet Rezensentin Christian Brinck. Nicht zum ersten Mal beschäftigt sich die Autorin darin mit der Leugnung des Holocausts - einer Geschichtsfälschung, die auch dieser Tage wieder Konjunktur hat. Cesare widmet ihr Buch einem Zeugen des Holocausts, dem Italiener Shlomo Venezia. Holocaustleugner machen Augenzeugen der Schoah perfiderweise gerade deren Überleben zum Vorwurf, erläutert Brinck mit Cesare, die auch die "verschwörungstheoretischen Grundstruktur" offenlegt, die die Voraussetzung für jeden Negationismus ist. Der Mythos von der geheimen Macht der Juden erweist sich dabei als ein besonders langlebiges Topos, lernt Brinck von Cesare, was sich bis in die Gegenwart verfolgen lässt, wenn den Opfern des Massakers des 7. Oktobers vielerorts nicht geglaubt wird. In einer Zeit, in der viele Deutsche mit der Erinnerung an die Nazi-Ära abschließen wollen und Juden nach wie vor mit Misstrauen begegnen, ist es wichtig, dass solche Bücher geschrieben werden, findet Brinck.
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