Hermann Göring
Macht und Exzess. Eine Biografie

C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN
9783406836404
Gebunden, 411 Seiten, 32,00
EUR
Klappentext
Hermann Göring (1893 - 1946), Reichsminister für Luftfahrt und zweiter Mann hinter Hitler, hat wie keine andere NS-Größe Ämter und Machtbefugnisse angehäuft. Andreas Molitor erzählt das Leben eines Machthungrigen, der Gegner kaltblütig ausschaltete, am Holocaust mitwirkte und von Hitler kaltgestellt ein bizarres Luxusleben führte. Durch Görings Leben zieht sich wie ein roter Faden das Streben nach Macht und Geltung, von der Kindheit bis zur Verurteilung beim Nürnberger Kriegsverbrechertribunal und dem Selbstmord in der Gefängniszelle. Seine Grenzen findet Görings Machthunger nur bei Adolf Hitler. Ihm ist er devot ergeben. Nachdem Göring als Oberbefehlshaber der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg versagt hat und Hitler ihm seine Gunst entzieht, zieht er sich auf seinen Landsitz Carinhall zurück, wo ihm Kunstraub, Jagdleidenschaft und dekadenter Luxus weit wichtiger sind als die Angriffe alliierter Bomber. Der pompöse Lebensstil hat zu beschönigenden Deutungen der Rolle Görings im Nationalsozialismus verführt. Andreas Molitor zeigt, dass der selbsternannte "Mann der Tat" mit der "Entjudung der deutschen Wirtschaft" den wirtschaftlichen und sozialen Niedergang der deutschen Juden besiegelt und bei der Vorbereitung des Holocaust eine Hauptrolle gespielt hat.
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Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.01.2026
Rezensent Florian Keisinger bespricht Andreas Molitors Göring-Biografie mit gemischten Gefühlen. Denn wenn es um Görings Kindheit und Jugend geht, gerät der Autor doch sehr ins Schlittern, vor allem, wenn es um psychologisierende Deutungen geht, findet der Kritiker: Wenn Molitor bereits das Kind pathologisiere, entlastet es den späteren Massenmörder, räumt Keisinger ein. "Überzeugend" und stringend wird das Buch hingegen, wenn Molitor Görings Weg in den Nationalsozialismus nachzeichnet. Hier liest er etwa von dessen Morphiumsucht oder seiner Position unter Hitler. Neue Primärquellen hat der Autor allerdings nicht zu bieten, bemerkt der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 20.11.2025
"Gierig" liest Rezensent Marc Reichwein Andreas Molitors Hermann-Göring-Biografie. Denn eine gut lesbare Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstandes legt Molitor, der selbst keine neuen Primärquellen erschließt, hier vor, so Reichwein. Unter anderem setzt sich der Autor mit den Klischees auseinander, die über Göring kursieren, so galt er etwa als ein leutseliger Lebemann. Der Werdegang des Top-Nazis wird von Molitor ebenfalls dargestellt, eine wichtige Erkenntnis liegt für Molitor darin, dass Göring zwar früh zu den Hitlers Anhängern stieß, dass seine wichtigste Rolle jedoch darin bestand, Bürgerliche für die Nationalsozialisten zu gewinnen. Auch von Görings Rolle bei der Planung des Holocaust oder die wohl übertriebenen Gerüche über dessen Drogenmissbrauch. liest der Rezensent hier. All das wird von Molitor unaufgeregt, aber nicht unpersönlich geschildert, freut sich der Rezensent: Auch die Verstrickungen seiner eigenen Vorfahren in Naziverbrechen lasse Molitor in das Buch einfließen, lobt er.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 05.11.2025
Ein insgesamt starkes Buch über Hermann Göring legt der Wirtschaftsjournalist Andreas Molitor hier Rezensent Otto Langels zufolge vor. Mit Molitor geht Langels einige Stationen im Leben Görings durch, von der Hilflosigkeit als nicht mehr benötigter Kriegsheld nach dem Ersten Weltkrieg über die erste Begegnung mit Hitler im Jahr 1922, dessen treuer Unterstützer er wird bis zu dem Aufstieg in zahlreiche Staatsämter. Molitor stellt laut Langels klar, dass Göring kein überzeugter Ideologe war, sondern vielmehr ein machtgieriger Brutalo, dass er im NS-Staat eine wichtige Rolle spielte, lag wohl nicht zuletzt daran, dass er leutselig war und auf Volksfesten eine gute Figur machte. Hier und da unterlaufen Molitor ein paar arg legere Formulierungen, meint der Rezensent, der außerdem darauf hinweist, dass das Buch hauptsächlich auf Sekundärliteratur und kaum auf Quellenstudium beruht. Dennoch ist dabei eine sehr brauchbare Darstellung der Karriere Görings herausgekommen, findet Langels.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.09.2025
Ausführlich rekapituliert der Rezensent und Historiker René Schlott den Lebensweg von Hermann Göring, den der Wirtschaftsjournalist Andreas Molitor in seiner Biografie des Nazi-Schergen nachzeichnet: Von dessen Geburt 1893, der frühen Trennung von der Mutter, dem Eintritt in die Kadettenschule bis zur Rolle im Nationalsozialismus und dem Blausäure-Suizid 1946 lässt sich "gut lesbar" einiges erfahren. Überstrapaziert werden dabei laut Schlott allerdings psychologische Ansätze, die zum Beispiel dominantes Spielverhalten des Zehnjährigen Göring auf seine spätere Karriere übertragen, auch der allzu bildliche Stil (beispielsweise die wiederkehrende Formulierung Göring habe "wieder Blut geleckt") mindert die Freude an der Lektüre. Der Kritiker hätte sich gewünscht, dass das Verhältnis zu Himmler mehr thematisiert wird und der hartnäckige Mythos vom "volksnahen" Reichsmarschall stärker dekonstruiert wird (beliebt bei der Bevölkerung war Göring nämlich, anders als weithin behauptet, nicht). Das Verhältnis zu Goebbels und zu Hitler werden aber mit Gewinn ausgearbeitet, versichert er.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2025
Ambivalent bespricht Rezensent Daniel Siemens Andreas Molitors Buch über Hermann Göring. Zunächst zeichnet Siemens entlang der Lektüre den Lebensweg eines Mannes nach, der abseits von Hass auf Juden und die Demokratie kein feststehendes Weltbild besaß, sich früh den Nazis anschloss, später für die Nazis die besonders brutale Drecksarbeit bis hin zur "Endlösung" organisierte, sich freilich sowohl in militärstrategischer Hinsicht als auch in seinen wirtschaftspolitischen Ambitionen als nicht allzu talentiert erwies. Grundsätzlich stellt Molitor dieses Leben schlüssig und kenntnisreich dar, findet Siemens, insbesondere die Passagen, die sich Görings Leben als öffentliche Person nach 1933 widmen und dadurch auch Mechanismen der Naziherrschaft anschaulich machen, sind gelungen. Weniger gut gefällt dem Rezensenten das Buch, wenn es sich der angeblichen frühkindlichen Prägung Görings zuwendet oder sich in Göring einfühlt. Insgesamt ist Siemens erstaunt darüber, dass Molitor zwar die Verbrechen des Mannes minutiös auflistet, sich von dem Bild Görings als einer überlebensgroßen Respektsperson dennoch nicht komplett lösen kann. Insgesamt also kein durchweg gelungenes Buch, so das Fazit, aber eines, das zeigt, welche Wirkmacht Göring selbst noch nach dem Tod besitzt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.09.2025
Rezensent und Historiker Robert Gerwarth begrüßt Andreas Molitors Göring-Biografie, besonders, weil die letzte schon 40 Jahre her ist. "Gut gearbeitet" und kenntnisreich scheint ihm hier, wie der Wirtschaftsjournalist den Aufstieg und Fall der NS-Schlüsselfigur beschreibt - von seiner Stählung in der Kadettenanstalt in Berlin-Lichterfelde über zahlreiche wichtige Ämter in der NS-Diktatur bis hin zu seinem Versagen etwa als Chef der Luftwaffe oder in der Umsetzung der Luftbrücke nach Stalingrad, was zum allmählichen Verlust der Anerkennung durch Hitler und letztlich zum Ausschluss aus der NSDAP führte, fasst Gerwarth zusammen. Dabei arbeite Molitor gelungen den unvergleichlichen Machthunger Görings wie auch seinen Hang zum Exzess heraus - nicht nur politische Ämter, sondern auch Raubkunst häufte der "Reichsmarschall" an wie kein zweiter; dazu kamen eine Leidenschaft fürs Jagen und für den Luxus. Diese spezielle Kombination, die auch zu einer Verharmlosung des Verbrechers beitrug, arbeite der Autor schön heraus, auf breiter Quellenbasis und in "schwungvollem" Stil - der Kritiker hat nichts auszusetzen.