Aus dem Niederländischen von Christiane Kuby. Zeewijk um 1900: Ungewöhnlich aggressive Raben haben sich im Kirchturm niedergelassen. Eine Kaninchenseuche ist ausgebrochen, und der Traum von einem heiligen Ort in den Dünen macht die Runde unter den strenggläubigen Dorfbewohnern des Küstendorfs. Auch der als nervenkrank geltende Fremde, Wijnand Marseu, der in einer weißen Villa hoch über dem Meer wohnt, soll diesen Traum gehabt haben, kurz bevor er tot aufgefunden wird. Nicht zuletzt aus beruflichem Ehrgeiz legt es der Erzähler darauf an, die Ereignisse in einen höheren Zusammenhang zu bringen. Er ist der letzte Spross einer Stadtschreiberfamilie, ein Erinnerer, selbst tief verwurzelt in der Dorfgemeinschaft und ihren von Glauben und Aberglauben geprägten Legenden. Merkwürdig somnambul zieht er von einem Dorfbewohner zum anderen, von einer unheimlichen Anekdote zur nächsten und offenbart dabei kaum wahrnehmbar sein eigenes Geheimnis.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.08.2008
Durchwachsen findet Annette Zerpner diesen Roman Robert Haasnoots, den dritten Band der "Zeewijk-Saga", der um 1900 spielt. Die Ausgangssituation birgt ihres Erachtens "vielversprechend düsteres Potential": Zeewijk, ein von krämerischen Calvinisten bewohnter Ort, wird heimgesucht von einem Schwarm Unheil verkündender schwarzer Vögel, der die Dorfbewohner in Angst und Schrecken versetzt, einer Kaninchenseuche, einem Mord und einem seltsamen Traum von einer Art Nirwana in den Dünen. Zu Zerpners Bedauern gelingt es dem Autor nicht, eine "stringente Erzählform" zu finden. Die zahlreichen Legenden, Anekdoten und der Dorfklatsch scheinen ihr zwar unterhaltsam, können diesen Mangel aber nicht wettmachen. "Die Geschichte", so ihr Urteil, "wirkt unentschieden, wird löchrig, sprunghaft und mit vielen Redundanzen erzählt."
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