67 statt 68: für einen erweiterten Begriff der Politik. Zu 68 gibt es nichts mehr zu sagen. Aus dem "Ereignis" ist wahlweise ein "Gegenstand der Geschichtswissenschaft" oder ein "Mythos" geworden; die Übertreibungen sind zurückgenommen, die Irrtümer korrigiert. Vielleicht aber hat schon 68 selbst, nicht erst seine Nachgeschichte, einen seinerzeit entwickelten Begriff der Politik wieder verkürzt, indem es die radikalen Experimente in Kunst, Alltag und Theorie aus dem Feld des Politischen ausgrenzte, zu dem sie 1967 noch gehörten. Dieses Buch (re)konstruiert daher einen Zusammenhang von literarischen und theoretischen Texten, von Popmusik, Filmen, Aktionen und Grammatologie aus dem Jahr 1967 und schlägt vor, daraus eine alternative Chiffre abzuleiten: 67 als "Sondierung der Basisstruktur der Sprache" - und damit als Arbeit an den Grundlagen des Politischen überhaupt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.07.2017
Rezensent Wolfgang Krischke freut sich über die Miniaturen über avanciertes Denken anno 1967 in Robert Stockhammers Buch. Sich damit abfindend, dass der Komparatist Stockhammer weder eine Ereignis- noch eine Ideengeschichte anzubieten hat, entdeckt Krischke in Stockhammers Versuch, eben nicht 1968, sondern das Jahr davor zu porträtieren, tatsächlich Hinweise auf grundstürzlerische Prozesse. Die Stichworte (Vietnam, Präzisionsschallpegelmesser etc.), an denen der Autor sich orientiert, lassen das Jahr laut Rezensent kaleidoskopisch zerfallen und dessen Teile assoziativ zusammentreten, die dabei anfallenden Querverweise und Berührungspunkte findet Krischke überraschend. Die Signatur einer Epoche kommt so allerdings nicht zustande, erklärt er.
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