Aus dem Amerikanischen von Odile Kennel. Dieses Buch widmet Robin Coste Lewis den vergessenen Frauen und Männern, deren Körper lange vor, während und nach der Sklaverei Bilder rahmten, Möbel verzierten, Kunstgegenstände dekorierten. Aus einem Experiment im Archiv entstand diese elektrisierende poetische Reise, die sich an den historischen Beginn von Stereotypen und ethnischer Herabsetzung begibt. Bis in die vorchristliche Zeit reichen die Fundstücke zurück, aus denen Lewis ihr lyrisches Geschichtsbuch montiert, das auf so berührende wie schockierende Weise abbildet, wie Kunst und Sprache sich in den Dienst der Barbarei stellen. Die Reise der Schwarzen Venus führt dabei durch das antike Rom und Griechenland, das Mittelalter, die Kolonial- und Postkolonialzeit bis in die amerikanische Bürgerrechtsbewegung, die Postmoderne und schließlich die Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.12.2017
Für den Rezensenten Martin Zähringer ist dieser Gedichtband der afroamerikanischen Autorin Robin Coste Lewis ein "Gesamtkunstwerk mit zwei Eingängen". Der Kritiker schlüpft mit der Dichterin zunächst durch ein "Tor des Körpers" - aufgrund einer durch einen Unfall bedingten Sprachabstinenz durfte Lewis eine Zeit lang nur einen Satz pro Tag lesen und schreiben und kam so zur Lyrik, informiert Zähringer - um schließlich durch ein "Tor der Kunstgeschichte" zu treten: Fasziniert begibt sich der Rezensent mit Lewis auf einen Streifzug durch die Museen der westlichen Welt auf der Suche nach dem schwarzen Körper in der Kunst, entdeckt das poetische Potential von Werktiteln und Kurzerklärungen und lernt von der Dichterin eine "kosmopoetische Weltsicht" auf die Kunstgeschichte.
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