Jessica Bruder

Nomaden der Arbeit

Überleben in den USA im 21. Jahrhundert
Cover: Nomaden der Arbeit
Karl Blessing Verlag, München 2019
ISBN 9783896676306
Gebunden, 384 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Teja Schwaner. Zehntausende Menschen in Amerika sind unterwegs. Sie leben in Wohnmobilen, Vans, Anhängern. Übernachten auf Supermarkt-Parkplätzen, neben den Highways, in der Wüste. Sie schaufeln Zuckerrüben in North Dakota, reinigen Toiletten in den Nationalparks von Kalifornien, arbeiten Zwölf-Stunden-Schichten im Amazon-Versandzentrum im winterlichen Texas. Und sie haben eines gemeinsam: Sie sind alt. Der American Dream hat für sie Bingo-Spielen und Gartenpflege vorgesehen. Doch im 21. Jahrhundert, erschüttert von der Finanzkrise der Zehnerjahre, ist der Boden für den sprichwörtlich wohlverdienten Ruhestand weggebrochen. Deshalb ziehen sie als Nomaden der Arbeit von einem saisonalen Tageslohnjob zum nächsten.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 05.07.2019

Katharina Teutsch scheint gerührt von der Welt der Workcamper, die die Reporterin Jessica Bruder ihr erschließt. Von Küste zu Küste der USA reist Bruder mit den "Amazombis" im Campervan der Arbeit hinterher. Für Teutsch ein erschreckender Einblick in die Folgen von Finanzkrise, Digitalisierung, Saisonarbeit und Mietpreiswucher. Die Langreportage offenbart ihr persönliche Schicksalsschläge, gesellschaftliche Umwälzungen, aber auch Solidarität, Hoffnung und Abenteuerlust.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.2019

Rezensent Michael Hochgeschwender versteht dank dieses Buches der amerikanischen Journalistin Jessica Bruder die Trump-Wähler besser. Bruder lebte Monate lang unter den Worcampern, also jenen Arbeitsnomaden aus der unteren weißen Mittelschicht jenseits der fünfzig, die im Wohnwagen von Arbeitgeber zu Arbeitgeber ziehen und als die "Abgehängten" gelten. Dass die Autorin Ausbeutung und Verrat an den Arbeitern so nüchtern festhält wie die prekären Umstände, unter denen diese leben, rechnet der Kritiker der Autorin hoch an: Statt Hysterie oder politischem Aktivismus bekommt er eine kluge, leise kommentierte Reportage geboten, die Katastrophen ebenso beleuchtet wie Glücksmomente. Dass Bruder auf eine tiefergehende soziologische und wirtschaftliche Analyse verzichtet, kann der Kritiker verschmerzen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.06.2019

Arbeitsmigration hat in den USA eine lange Tradition, doch worin sich die sogenannten Workamper von den Schwarzen, die nach dem Ende der Sklaverei in die nördlichen Industriegegenden zogen, von den nach dem Börsencrash 1929 nach Westen strömenden Okies oder den mexikanischen Erntehelfern unterscheiden, ist der Umstand, dass sie weiß und alt sind, berichtet Viola Schenz: Diese Menschen haben in der Finanzkrise von 2008 ihre Ersparnisse verloren und ziehen nun mit ihren mobile homes durchs Land und suchen Saisonarbeit in der Landwirtschaft, auf Ölfeldern oder im Versandhandel. Die Journalistin Jessica Bruder hat drei Jahre lang unter Workampern gelebt und recherchiert, dabei 15.000 Kilometer zurückgelegt, über fünfzig Interviews geführt, weiß die Rezensentin, die in der Nähe zum Gegenstand allerdings auch die Schwäche des Buches ausmacht: "zu detailliert, zu lang, zu redundant", dabei zu wenig analytisch und auch perspektivisch nicht recht ausgewogen findet Schenz die über weite Strecken "spannend geschriebene Dokumentation" bisweilen

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 30.04.2019

Ralph Gerstenberg empfiehlt Jessica Bruders Reportage über Workamper in den USA: um ihre Altersabsicherung gebrachte alte Menschen, die in Wohnmobilen von Aushilfsjob zu Aushilfsjob durchs Land ziehen. Wenn das die (neoliberale) Zukunft auch bei uns ist, dann Gute Nacht, denkt Gerstenberg, der Bruders Ausbeute aus fünfzig Interviews mit den neuen Arbeitsnomaden mit besonderer Bestürzung liest, weil es sich bei ihnen um normale Mittelschichtler handelt, die beim Börsencrash 2008 alles verloren haben, wie er feststellt. Der Stolz dieser Menschen rührt den Rezensenten umso mehr.

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