Rocko Schamoni

Große Freiheit

Roman
Cover: Große Freiheit
Carl Hanser Verlag, München 2019
ISBN 9783446262560
Gebunden, 288 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Sankt Pauli, 1960: Ein Sehnsuchtsort für Gegenkultur, Kunst, Drogen und freie Sexualität. Als es Wolli Köhler nach Hamburg verschlägt, ist die Welt der Nachkriegsjahre eng und spießig. Der junge Mann aus dem Nirgendwo sucht nach Abenteuer und Freiheit. Und steigt auf zur außergewöhnlichsten Kiezlegende in der Geschichte Sankt Paulis. Im Lichtermeer des Hamburger Viertels treiben Nacht für Nacht Huren, Freier, Transvestiten, Schläger und Künstler wie die noch völlig unbekannte Band "The Beatles", aufgeputscht von Drogen und Alkohol, durch die heruntergekommenen Straßen. Sie alle treibt die Sehnsucht nach einem grenzenlosen Leben.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.05.2019

Rezensentin Christiane Müller-Lobeck liest Rocko Schamonis Roman "Große Freiheit", zu dem der Autor sich vom Nachlass und der Lebensgeschichte des ehemaligen "Puffbosses" Wolfgang Köhler hat inspirieren lassen, als St-Pauli-Historie. Mehr als die Geschichte des Rotlichtviertels in den achtziger Jahren entdeckt die Kritikerin hier aber die Erzählung von einem antibürgerlichen Glücksversprechen, das zu großen Teilen von subkultureller Musik und Kunst getragen wurde. Nach der Lektüre fragt sich die Rezensentin allerdings, ob es sich hier nicht um die Verklärung einer Zwangsehe von Rotlichtmilieu und Jugendkulturen handelt, die in den Achtzigern durchaus in mehreren Städten anzutreffen war.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.02.2019

Rezensentin Janne Knödler lässt kein gutes Haar an Rocko Schamonis Roman über die einstige Kiezgröße Wolli Köhler, der als "erster marxistischer Puffboss" in die Geschichte St. Paulis einging und in den sechziger und siebziger Jahren Hubert Fichte ausgiebig von seinem Leben erzählte. Tolle Geschichte, gibt Knödler zu, nur mache Schamoni nichts draus. Fantasielos seien seine Figuren, schimpft Knödler, und die Sprachbilder nicht poetisch, sondern kitschig. Ganz zu schweigen davon, dass ihr Schamonis Sehnsucht nach dem Exzess politisch zu eskapistisch gerät. Und überhaupt: Was ist das für eine langweilige Unterwelt? Große Freiheit? Von wegen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 23.02.2019

Boris Pofalla ist der Held in Rocko Schamonis in den wilden Sechzigern angesiedeltem Sankt-Pauli-Roman einfach zu anständig. Die schöne Hamburg-Nostalgie hin oder her, meint er, als Serienheld taugt die schon von Hubert Fichte verewigte Kiezgröße Wolli nur bedingt. Jedenfalls so, wie Schamoni ihn zeichnet - als Lude wider Willen, ohne viel Biss, dafür mit laut Pofalla wenig glaubhaftem Faible für Politisches und Wörter wie "Verantwortungsbereich". Das Historisieren mit Ausflügen zu Beatles und Sturmflut tut dem Text auch nicht unbedingt gut, findet Pofalla außerdem. Kennt man alles schon und bringt Handlung und Figuren nicht voran, so der Rezensent.

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