Anders Petersen

Cafe Lehmitz

Cover: Cafe Lehmitz
Schirmer und Mosel Verlag, München 2004
ISBN 9783829600729
Gebunden, 89 Seiten, 29,80 EUR

Klappentext

Cafe Lehmitz, eine Stehbierhalle am Ende der Reeperbahn, war ein Treffpunkt und oft auch die Endstation für viele, die in Hamburgs berühmt-berüchtigtem Rotlichtviertel arbeiten: Prostituierte, Zuhälter, Transvestiten, Handlanger und gewöhnliche Kleinkriminelle. Anders Petersen, geb. 1944, war achtzehn Jahre alt, als er aus Schweden nach Hamburg zu Besuch kam, eher zufällig im Lehmitz landete und hier Freundschaften schloß, die seinen weiteren Lebensweg prägen sollten. Seine Aufnahmen, die wir 1978 in Buchform veröffentlichten und die inzwischen zu Klassikern ihres Genres geworden sind, berühren noch immer durch ihre Offenheit und ihre unverfälschte Athentizität. Es ist der solidarische, an Brassai erinnernde Blick des Fotografen, der weder Voyeurismus noch falsches Mitleid aufkommen läßt angesichts dieser Bilder aus einem Milieu, das gemeinhin als asozial bezeichnet wird. Die andere Welt des Cafe Lehmitz, die heute so nicht mehr existiert, wird sichtbar als lebendiges soziales Gefüge mit eigenem Selbstverständnis und in der ihr eigenen Würde.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.09.2004

Dieser Fotoband ist eine Wiederauflage, schöner, besser und teurer vermutlich als bei der Erstausgabe 1978, dafür zweisprachig und "blitzblank gebunden", stellt Ulf Erdmann Ziegler fest, "der Klassiker als verbesserte Ausgabe". Das Vorwort von damals, das von Roger Anderson stammte, ist geblieben. Zehn Jahre trennen dieses Vorwort von der Entstehungszeit der Fotos, die Ende der 60er Jahre im Hamburger Stadtteil St. Pauli von dem Schweden Petersen gemacht wurden. Ehrliche Fotografie nannte man das damals, schreibt Ziegler, die sich "über die Wracks der kapitalistischen Gesellschaft" Gedanken machte. Petersen ist damals womöglich gar nicht klar gewesen, spekuliert der Rezensent, dass er eine gerade untergehende Subkultur in den St.-Pauli-Kneipen festhielt. Er fotografierte die Gestrandeten und Verzweifelten "in ihren besten Stunden" nachts im Cafe Lehmitz, in tiefer schwarzer Körnung, klassische Kleinbildfotografie, zwischen Robert Frank und Federico Fellini angesiedelt. Nicht die Nähe, sondern die sichere Distanz zu seinen Protagonisten sei das, was die Fotografien Petersen ausmache, gibt Ziegler zu bedenken, ihm kommt es so vor, als hätte Petersen die Masken seiner Figuren "für bare Münze genommen". Dennoch ein Klassiker aus der frühen Fotografie der Autoren, so der Rezensent.

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