Als Johann Trollmann 1933 um die Deutsche Meisterschaft boxte, ging die Karriere des Fußballers Tull Harder gerade zu Ende. Roger Repplinger erzählt in dieser Doppelbiografie zwei exemplarische Schicksale aus der Zeit des Nationalsozialismus. Geschmeidig, schnell, elegant: Wenn Johann Trollmann boxt, sitzt das Berlin der frühen 30er-Jahre bewundernd am Ring. Er hat nur einen »Fehler«: Er ist Sinto, kein »Arier«. Mit blond gefärbten Haaren und Mehl auf seiner braunen Haut steigt er in den Ring, doch die SA-Leute unter den Zuschauern brüllen: »Leg dich, Zigeuner, oder wir holen dich.« Trollmann gehorcht: Besser Boxkämpfe verlieren als das Leben. Als er 1942 ins KZ Neuengamme verschleppt wird, ist ein anderes Sportidol schon da: Tull Harder (1892 1956), Mittelstürmer des Hamburger SV, Nationalspieler und SS-Mann. Er gehört zum Wachpersonal, später zur SS-Kommandantur des Lagers, in dem bis Kriegsende 55.000 Menschen sterben, unter ihnen auch Johann Trollmann, der 1944 ermordet wird.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.05.2008
Dieses Buch gibt Christian Zaschke Rätsel auf. Wie ist es möglich, eine derart gut recherchierte und fesselnd geschriebene Doppelbiografie mit einem so zweifelhaften Auftakt zu versehen? Der Hund liegt für Zaschke da begraben, wo Roger Repplinger dem Fußballer Tull Harder und dem Boxer Johann Trollmann allzu nahe kommt. Dass Allwissenheit im dokumentarischen Erzählen nichts verloren hat, dass ein Biograf nicht die Gedanken- und Gefühlswelt der Protagonisten in inneren Monologen darstellen darf, ist für Zaschke ausgemacht. Dementsprechend bringen ihn solche Passsagen ins Schleudern. Wenn Repplinger jedoch im Verlauf des Textes zunehmend seinem historischen Wissen vertraut und die beiden im Konzentrationslager endenden Lebenslinien aufeinander zubiegt, wird für Zaschke das Grauen der Geschichte greifbar. Das versöhnt ihn mit dem Buch.
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