Roland Girtler beobachtete und sprach mit Kellnerinnen und Kellnern in Restaurants, Bars und Kaffeehäusern. So vielfältig dieser Berufsstand ist, so vielfältig ist auch dieses Buch. Roland Girtler präsentiert in einem weiten Bogen einen Beruf der so bunt ist wie das Leben. Er berichtet unter anderem von einem Kellner der mit einem Schiff jahrelang durch die Karibik fuhr, einem Barmann der bei Edgar Wallace tätig war, einem Kellner der den Untergang der Titanic überlebt hat, von einem Bordellkellner bis hin zu einer Kellnerin die in einer Stiftsschank brave Mönche bedient. Außerdem entdeckte Girtler bei seinen Feldforschungen, die ihn durch Wien, Oberösterreich, die Steiermark, Kärnten und während einer Radtour bis nach Süddeutschland führten, einen Wirt, der sogar über eine eigene alte Kellnersprache zu berichten wusste.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.08.2008
Mit großem Lob bedenkt Günther Frieß dieses Buch über die "bunte Welt der Kellnerinnen und Kellner", das Roland Girtler vorgelegt hat. Er hebt die offene Art hervor, mit der der unkonventionelle Wiener Soziologe und Experte für Randgruppen auf Menschen zugeht und sie zum Erzählen bringen. Besonders schätzt er die lebendigen Schilderungen von Milieus und Szenen, die ohne den typischen Soziologenjargon auskommen. Für vorliegendes Buch habe Girtler unzählige Gespräche in Restaurants, Bars und Kaffeehäusern geführt und dabei viel über Kultur, Strategien, Symbole und Rituale des Kellnerstandes erfahren. Entstanden ist in Frieß' Augen ein abwechslungsreiches, erhellendes und auch "vergnügliches" Buch, das dem Leser Typen von Kellnern und Gästen plastisch näher bringt. Sein Fazit: ein "Meisterwerk der Soziologie des Alltags".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.07.2008
Kulturwissenschaft als Mehlspeise. Helmut Mayer scheint das nicht wirklich zu bekommen. Allerdings nimmt er's mit Humor. Anscheinend sind Autor und Buch nicht satisfaktionswürdig, um im Schnitzlerschen Vokabular zu sprechen, das auch der Autor bemüht, wie wir erfahren. Unakademisch, ein Schwätzchen, das den Kellnerstand aufs Famose reduziert, so kommt es dem Rezensenten vor, wenn Roland Girtler Feldforschung betreibt in Kaffeehäusern und Bordellen (!). Dass die Kellner allesamt reden wie der Autor und der wie die Figuren bei Nestroy - geschenkt, meint Mayer, solange das Buch zur Torte serviert wird, am besten dem Kellner selbst.
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