Rolf Haufs

Steinstücken

Roman
Cover: Steinstücken
Quintus Verlag, Berlin 2022
ISBN 9783969820490
Gebunden, 176 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

1945 wurde die Berliner Stadtgrenze zur Zonengrenze, was zu einigen Kuriositäten führte: So ist das kleine Steinstücken verwaltungstechnisch Teil von Zehlendorf und umgeben von Potsdam-Babelsberg, das damals zur Sowjetischen Besatzungszone gehörte. Steinstücken im Amerikanischen Sektor blieb die einzige permanent bewohnte Westberliner Exklave, was eine besondere sicherheitspolitische Herausforderung darstellte. Die Ortslage wurde durch DDR-Grenztruppen abgeriegelt und von US-Militärpolizei bewacht. In dieses Steinstücken kommt Georg - Alter Ego des Autors - Anfang der 1960er-Jahre aus der rheinischen Provinz, um sich bei einem Mann namens Faßbinder einzuquartieren, wobei er zunächst absurde bürokratische Hürden zu bewältigen hat. Etwas Mysteriöses umgibt diesen Faßbinder, den Georg offensichtlich schon aus seiner Heimat kennt und der das "Dritte Reich" in KZ-Haft verbrachte. Noch nebulöser wird die Situation, als Faßbinder Georg bittet, bei der Flucht eines Ostberliners zu helfen. Und dann sind da noch die verschrobenen Einwohner Steinstückens, die Amerikaner, die eine Luftbrücke mit Helikopter einrichten, und die DDR-Grenzer, deren Gebaren immer bedrohlicher wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2022

Erwartungsvoll liest Rezensent und Germanist Wulf Segebrecht den um 1961 entstandenen Roman von Rolf Haufs über Steinstücken, der erst jetzt postum erschienenen ist - laut dem Nachwort von Haufs' letzter Frau Kerstin Hensel wegen einer Untersuchungshaft Haufs' 1963 aufgrund angeblicher intensiver Ostbeziehungen, laut der Vermutung des Kritikers eher wegen der eigenen stilistischen Ansprüche des Autors. So falle der nun erhältliche Roman über den jungen Georg, der im Kalten Krieg aus dem niederrheinischen Rheydt in die westdeutsche Exklave Steinstücken zieht, ganz anders aus als die 1968 bereits erschienene Prosaerzählung derselben Geschichte: Während die Erzählung aus der Ich-Perspektive die "Unerklärbarkeit" der "Zerstückelungserfahrung" von Steinstücken in kurzen Szenen dokumentiere, versuche die Romanversion, diese Erfahrung auf individueller und auf zeitgenössischer Ebene mit klassischen Mitteln eines Entwicklungsromans zu beschreiben, analysiert der Kritiker. Das sei zwar weniger "radikal" und "modern" als die Erzählung, aber trotzdem allemal lesenswert, vermittelt Segebrecht.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 06.10.2022

Ein Nachlassfund mit hochspannendem Thema ist Rolf Haufs' Roman "Steinstücken" für den Rezensenten Michael Opitz. Georg ist in der DDR verhaftet worden, warum, ist ein Geheimnis, nicht nur für die Leser*innen, sondern auch für ihn. Das läutet eine Erinnerungsreise ein: Sie führt nach Steinstücken, eine Exklave an der Berliner Mauer, die Flüchtenden Hoffnung verspricht. Auch der Protagonist scheint involviert zu sein. Die gerafften Sätze passen zur thematischen Anspannung, meint der Rezensent. Er sieht auch biografische Bezüge in der Orientierungslosigkeit zwischen Ost und West, die wohl auch den Autor befallen hat und, so wird gemutmaßt, mitverantwortlich ist, dass der Roman unvollendet geblieben ist. Dem Rezensenten gerät das zwar teils zu durcheinander, dennoch würdigt er das Buch als wichtigen Beitrag zum Thema der deutsch-deutschen Teilung und vergleicht den Autor etwa mit Uwe Johnsohn.

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