Mit einem Nachwort von Albert von Schirnding. Herausgegeben von Hans Georg Heepe. Der Epiker Rolf Hochhuth steht allzu leicht im Schatten des Dramatikers und Essayisten. Dabei war nur wenige Monate nach der Premiere von "Der Stellvertreter" die Novelle "Die Berliner Antigone" erschienen. Ein Vorabdruck aus "Eine Liebe in Deutschland", von Andrzej Wajda mit Hanna Schygulla verfilmt, brachte einen Ministerpräsidenten um Amt und Ruf. Hochhuths längere Prosa verschmilzt Erzählung und Essay, sei es in strengem Nebeneinander, sei es in gegenseitiger Durchdringung der Formen. Daneben pflegt er die Anekdote, die knappe, auf den Punkt gebrachte Fixierung einer Situation oder Person, komische Effekte nicht scheuend. Die Themen seiner Lyrik, die hier erstmals vollständig vorliegt, sind Geschichte und Politik, der Einzelne und die Gemeinschaft, Amor und Eros.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2002
In seiner ausführlichen Besprechung lässt Heinz Ludwig Arnold noch einmal die Skandalchronik der Hochhuthschen Stücke Revue passieren: angefangen beim "Stellvertreter" von 1964 bis hin zu den "Soldaten", die ihm in England wegen Verunglimpfung Churchills eine hohe Geldstrafe einbrachten. Was danach kam, war weniger brisant und literarisch ohnehin nicht innovativ, meint Arnold und leitet zu Hochhuths Prosastücken über, die eine Ehrenrettung verdienten. Besonders hebt er die "Berliner Antigone" von 1965 hervor, für ihn einer der schönsten Texte Hochhuths überhaupt und ein gutes Beispiel für das Hochhuthsche Erzählprinzip, das Wesentliche in "beiläufigen Nebensätzen" mitzuteilen. Auch die Erzählung "Eine Liebe in Deutschland" von 1978 lebe von diesem "Eindruck von Fülle bei gleichzeitiger Kargheit", wie Leopold Ahlsen über Hochhuth gesagt haben soll. Zu den Gedichten: die habe Hochhuth fortlaufend geschrieben, seien aber "weniger Lyrik als geformtes Tagebuch", so Arnold. Das Hochhuthsche Werk wirkt auf ihn ziemlich zerklüftet, da gebe es völlig umständliche, langweilige, ungenießbare Passagen, das gibt Arnold gerne zu, und doch mag er ihn - wie das "Salz in der Suppe" - nicht missen.
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