Theater ohne Skandale? Undenkbar! Seit Aischylos' "Orestie" gehört die Aufregung über das, was auf der Bühne zu sehen ist, zum unberechenbaren und manchmal auch kalkulierten Reiz des Theaters. Bis in die heutige Zeit, bis zu Rolf Hochhuths "Stellvertreter" oder Thomas Bernhards "Heldenplatz", haben Stücke und Inszenierungen immer wieder für Skandale gesorgt. Sie haben provoziert, aufgerüttelt oder einfach nur die bequeme Langeweile gestört; sie haben das Theater revolutioniert oder sind so wirkungslos verklungen wie das Geschrei im ersten Rang; sie kamen überraschend und heftig oder wurden von den Medien inszeniert und aufgebauscht; sie haben wegen politischer Inhalte oder ästhetischer Grenzüberschreitungen für Empörung und Verstörung gesorgt und nicht selten für Verhaltensweisen beim Publikum, die man bis dato nur aus einem Bierzelt zu kennen glaubte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2009
Irene Bazinger nimmt das Buch mit mächtigem Appetit in die Hand. Dass ihre Lust auf vergnüglich Skandalöses von Bernd Noack letztlich nur bedingt befriedigt wird, liegt an der anstrengenden Häppchen-Struktur des Buches und an Noacks zwar penibler, aber wenig erfrischender Faktenhuberei. Im Theaterskandalfundus (auch der DDR) zu wühlen, Skandalnudeln wie Jürgen Flimm oder Franzobel zu befragen und das Skandalöse phänomenologisch dingfest zu machen, so scheint es, ist das eine. Das andere, findet zumindest Bazinger, wäre wohl eine vergnüglichere, leserfreundlichere Aufbereitung inklusive Namensregister.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.01.2009
Rezensent Thomas Leuchtenmüller findet das, was der Autor und Theaterkritiker Bernd Noack zusammengetragen hat, zwar gelegentlich "geschwätzig, redundant und sprunghaft", fühlt sich aber dennoch gut unterhalten. Er bezeichnet diese Sammlung von Theaterskandalen alles in allem ein "vergnügliches Buch", auch wenn es manchmal an "analytischer Schärfe" mangelt. Auch wenn der Titel eine breite historische Spanne verspricht, so konzentriert sich Noacks Untersuchung doch im Wesentlichen auf das "deutschsprachige Schauspiel nach 1900", rückt der Rezensent sanft zurecht. Sowohl die Provinz als auch die kulturellen Zentren kommen dabei zu ihrem Recht.
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