Es sind Monsterwochen in den Rialto-Lichtspielen und zum ersten Mal in seinem Leben sitzt Ben mit einem Mädchen im Kino. Ein Mädchen, soblass wie aus einem Gedicht über Jungfern und Mondschein. Dass Colleen danach aus dem Auto seiner Grandma kotzt, ist nicht unbedingt filmreif. Doch Ben hat eindeutig das Gefühl, dass sein Leben eine Wendung nimmt...
Ein sehr ungleiches Paar führt Ron Koertge in seinem Jugendroman "Monsterwochen" zusammen, erzählt Reinhard Osteroth: da ist einmal der schüchterne Benjamin, Spastiker, Cineast, der in den Rialto-Lichtspielen Süßigkeiten verkauft, und Colleen, "das Drogengirl der King-Highschool", die - zumindest vorübergehend - genug hat von ihrem Freund Ed Dorn, offenbar Anführer einer Jugendgang. Es ist "eine Erweckungsgeschichte", so Osteroth, "Colleen zeigt Ben den Sex und Marcie, die neue Nachbarin, ermutigt ihn, seinen ersten Film zu drehen." Osteroth ist hingerissen von der Erzählkunst des Autors. Koertge ist ein "Meister der lyrischen Verdichtung", er schreibt spontan, witzig und hintergründig, lobt unser Rezensent. Und den Schluss findet er einfach "filmreif".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.05.2004
Der Rezensent Fritz Göttler ist richtig angetan von der Geschichte eines Jungen, der sich vor der Welt da draußen am liebsten im Kino versteckt, und zwar bei Filmen über "Einzelgänger und Verstoßene" und die "Verlierer des amerikanischen Traums", in denen sich der Waise und halbseitig gelähmte Spastiker, der bei seiner Großmutter lebt, wiedererkennt. Schließlich lernt er eine andere Außenseiterin an seiner Schule kennen, die punkige und Problem behaftete Colleen - und auch seine mehrfach operierte Nachbarin weist ihm Wege, sich der Welt mitzuteilen. Mit Herz, aber ohne Sentimentalität und auch ohne Happy End - so fasst Göttler diesen Roman zusammen und zieht ein positives Fazit aus dieser Mischung: "Ein Hin und Her zwischen der Wirklichkeit und der Traumwelt des Kinos - in der auch Nicht-Cineasten sich heimisch fühlen werden."
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