Róža Domašcyna schafft Übergangszonen zwischen ihren Sprachen - ein seltenes Phänomen, eine Art interlingualer Poetik. Diese Werkauswahl beinhaltet Gedichteund Prosagedichte aus fast drei Jahrzehnten, darunter elf Erstveröffentlichungen."Sie bilden nicht nur eine Wirklichkeit, schon gar keine spezifisch sorbische ab,sondern Wirklichkeiten im Plural, also eine Vielfalt möglicher Welten", betont Walter Koschmal im Nachwort zur Ausgabe. Beigefügt hat Róža Domašcyna ihren eigenen lyrischen Texten Nachdichtungen von Gedichten Jurij Chěžkas (1917-1944),die als Beginn und erster Höhepunkt der modernen sorbischen Poesie gelten.
Die Dichterin Roza Domascyna feiert dieses Jahr ihren 75. Geburtstag, weiß Rezensent Nico Bleutge, aus diesem Anlass gibt sie eine Sammlung aus ihren bisher neun Gedichtbänden heraus, ergänzt durch neue Gedichte und Nachdichtungen von Versen ihres Onkels, dem Dichter Jurij Khezka. Sie widmet sich in den Gedichten vielfach ihrer Herkunft aus der Lausitz, sie ist mit dem Deutschen und dem Sorbischen zugleich aufgewachsen, mit dem Bergbau, mit der reichen historischen Vergangenheit der Gegend, die immer wieder den Weg in ihre Verse findet, wie Bleutge verrät. Die Sprache "flirrt und klirrt/katscht und quatscht" für ihn, besonders seit Mitte der 1990er Jahre, in denen Domascyna zum Beispiel ein "Wortall" mit Wörten aus verschiedensten Sprachen erschafft. Ihm gefällt, dass sie ein "hochaktives lyrisches Archiv" schafft, indem sie die sorbische Sprache und die Erinnerung an die Lausitz hochhält. Diese Gedichte stechen für den Kritiker besonders hervor, da kann er es verschmerzen, dass Liebesgedichte und Sprachreflexives weniger überzeugen.
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