Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Karin Schweder-Schreiner. Gustavo Flavio, der natürlich nicht wirklich so heißt wie Gustave Flaubert, ist ein friedfertiger Mensch und ein berühmter Schriftsteller. Er hat Erfolg bei den Frauen und ein Geheimnis. Als seine Geliebte, die schöne Delfina Delamare, ermordet aufgefunden wird, ist ihr Ehemann racheglühend hinter ihm her. Flavio flüchtet sich in ein Luxushotel mitten in den Urwald. Bei feinstem Essen, inmitten spleeniger Gäste und seltsamer Gespräche - als wär es ein Zauberberg im Dschungel - beginnen sich die Ereignisse grotesk zu überstürzen...
Im Perlentaucher:
Rezension Perlentaucher
Es entspricht Fonsecas respektlosem (aber niemals herablassendem) Umgang mit den Formen der Kriminalliteratur, dass er dieses Christie-Szenario erst ganz überzeugend entwirft und dann mit leichter Hand wieder zerstreut, um zur ursprünglichen Geschichte um zu dem Mord an Delfina Delamare zurückzukehren. In einer letzten Geste wird der Roman im Roman, das ist bei all diesen Bewegungen des Vor und Zurück, des Aufbauens und Zurücknehmens, nur konsequent: gelöscht... Lesen Sie mehr von Ekkehard Knörer in 'Mord und Ratschlag'
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2003
Als Umsetzung von Oswald de Andrades 1928 erschienenem "Menschenfresser-Manifest" beschreibt der Rezensent Kersten Knipp diesen 1985 erstmals veröffentlichten Roman. Andrade empfahl damals den brasilianischen Landsleuten, möglichst viele Bücher aus der Alten Welt zu verschlingen, auf dass, durch literarische Verdauung, Neues in der Neuen Welt entstehen kann. Ums Fressen und ums Verdauen, um kanonische Literatur geht es denn auch bei Rubem Fonseca, und zwar in wüstem Durcheinander. Ein Schriftsteller, der aufs Fressen versessen ist, erzählt, Morde geschehen, Kriminalität an allen Ecken und Enden. An diesem Durcheinander implodiert, meint Knipp, zuletzt auch der Roman, der ihm als Darstellung "kaputter Welten" schwer verdaulich scheint.
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