Herausgegeben und mit einem Nachwort von Elisabeth Lenk. "Angesichts eines Ereignisses, das so furchtbar ist, dass er es nicht nennt, sondern immer nur indirekt umschreibt, bricht Rudolf Borchardt mit allem, was er bisher gedichtet hat. Er spielt nicht mehr, sondern es ihm bitterer Ernst; er liebt nicht mehr, sonder er hasst, er weicht nicht mehr ins Mögliche aus, sondern der Ausbruch der 'Jamben', die er selbst ein 'aufgespartes Donnerwetter' nennt, scheint genau den Augenblick zu bezeichnen, das der Lyriker Borchardt mit der Geschichte zusammenprallt" - so Herausgeberin Elisabeth Lenk.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.01.2005
Der Schriftsteller Rudolf Borchardt wird Rezensent Alexander Kissler zufolge bis heute "eher geschätzt als gelesen". Ob die nun erstmals als Einzelausgabe vorliegenden "Jamben" daran etwas ändern werden, ist zu bezweifeln. Kissler jedenfalls beschreibt sie als "eine anstrengende, teils anregende, teils ermüdende Hadesfahrt, hinunter zu den Untoten eines untergegangenen Deutschlands". Entstanden 1935 als Reaktion auf die Nürnberger Rassegesetze fallen sie laut Kissler in eine Schaffensphase Borchardts, in der Dualismen wie Zeitzeugenschaft und Ewigkeitsemphase oder Modernität und Traditionalismus ineinander verschmolzen. Das Nachwort der Germanistin Elisabeth Lenk, die die Jamben als "Weltgericht" nennt und deren Ausnahmestellung betont, schwanke "kurios" zwischen "Geschwätzigkeit und Geraune". Ihre Charakterisierung Borchardts als Vorläufer jener "Utopie, die man heute multikulti nennen würde" (Lenk) empfindet Kissler als "Verzeichnung", gegen die Borchardt sicherlich augbegehrt hätte.
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