Wolfgang Matz

Rudolf Borchardt

Der verlorene Posten
Cover: Rudolf Borchardt
Wallstein Verlag, Göttingen 2023
ISBN 9783835354494
Gebunden, 344 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Wolfgang Matz entwirft ein neues Bild des widersprüchlichen Literaten Borchardt im Zeitalter der Extreme. Rudolf Borchardt ist einer der großen Dichter deutscher Sprache, Meister des Essays und des zeitkritischen Romans, eigensinniger Historiker und Übersetzer. Doch wurde sein Schaffen auch begleitet von Legenden und Skandalen, von erotischer Hochstapelei, autobiografischer Fiktion, politischem Radikalismus zwischen den Weltkriegen. Borchardt war voller Widersprüche: ein junger Mann mit höchstem Anspruch, der kaum veröffentlichte, ein Polemiker der Weimarer Republik, der sein Leben in Italien verbrachte, ein deutscher Nationalist, den die Nürnberger Gesetze zum Juden machten, ein freiwilliger Exilant, der ab 1933 im Zwangsexil lebte. War Borchardt tatsächlich der Exzentriker, den die deutsche Nachwelt aus ihm macht? Wolfgang Matz wagt nach langer Auseinandersetzung mit dem Streitbaren eine konzentrierte Darstellung von Leben und Werk. Er liest ihn als Zeitgenossen von Hofmannsthal, George, Benjamin und Brecht, als Extremisten im Zeitalter der Extreme, als Neuerer, der die europäische Tradition wiedererweckt für die Poesie der eigenen Zeit. So tritt Borchardt als leidenschaftlicher Gegner der neusachlichen Kälte, radikaler Antimodernist und deshalb ganz in der Tradition der modernen Literatur hervor.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.07.2024

Warum Rudolf Borchardt 1926 mit verhältnisweise vielen Stimmen in die Akademie der Künste gewählt worden war - einen Posten, den er umgehend ablehnte -, scheint der Kritiker Patrick Bahners nicht ganz zu verstehen; umso angetaner wirkt er dafür von der Art, wie sich Wolfgang Matz in seiner biografischen Studie dem Autor annähert - genauer: dessen merkwürdiger Mischung aus unbedingtem Willen zu klassisch-philologischer Gelehrsamkeit (nachdem die Doktorarbeit nie eingereicht wurde, so Bahners) einerseits, und einer sturen Ablehnung jeglichen Publikumserfolgs andererseits. Wie Matz bescheiden, unter bewusstem Verzicht auf einen großen Anmerkungsapparat oder sich anbietende Querverweise diese Seite Borchardts offenlegt und dabei höchst "diskret" die Grundannahme durchschimmern lässt, dass Borchardt im Grunde um einiges näher an der Moderne, insbesondere der französischen Literatur war, als ihm lieb gewesen sein dürfte, scheint den Kritiker von Matz' Interesse an Borchardt und von seinem Buch zu überzeugen.

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