Salim Barakat

Die Spiele der jungen Hähne

Roman einer Jugend
Cover: Die Spiele der jungen Hähne
C.H. Beck Verlag, München 2000
ISBN 9783406461002
Gebunden, 148 Seiten, 17,50 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Burgi Roos. Eine kurdische Kleinstadt in Mesopotamien, im Norden Syriens: Der Spielplatz der Kinder ist die Straße, die Spielregeln erfinden sie sich jeden Tag neu. Ob sie der Nachbarin zusehen, wie sie heimlichen Besuch vom Tabakhändler erhält, ob sie ihre Hähne zum Markt tragen oder im Kampf gegeneinander aufhetzen, ob sie ihre eigene Sexualität entdecken oder plötzlich wieder Kinderspiele auf der Straße spielen - alles ist ein einziges Abenteuer auf ihrem Weg ins Erwachsenendasein. Die "Geburt seines Herzens", des Helden erste, unglückliche Verliebtheit, bildet den Höhepunkt und gleichzeitig den vorläufigen Abschluß dieses Abenteuers: seine Angebetete ist die Tochter eines Paschas - und damit vollkommen unerreichbar...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.08.2000

Hauke Hückstedt zeigt sich spürbar fasziniert von diesem Buch und "staunt, zuckt zusammen über so viel brutal schöne Gewalt". Barakat erzählt von kurdischen Jugendlichen in Syrien, die auf der Suche nach ihrer Identität sind, wie der Leser erfährt. Im Mittelpunkt steht dabei die Gewalt, die sowohl erlebt als auch weitergegeben wird. Hückstedt weist jedoch darauf hin, dass der Autor hier nicht anklagt, sondern vielmehr ein Bild des kurdischen Lebens in Syrien zeichnet, wie es plastischer kaum zu vermitteln wäre. Einerseits würde der Rezensent als Leser diese Bilder gerne aus seinem Kopf verdrängen, andererseits hält er es für die Stärke des Buchs, dass dennoch etwas bleibt. Hückstedt spricht dem Verlag ausdrücklich seine Anerkennung für diese "Wiederentdeckung" aus und lobt Burgi Roos für seine "raue, gewaltige, manchmal rasende und doch immer beseelte" Übertragung ins Deutsche, die seiner Ansicht nach den Klang der arabischen Sprache berücksichtigt und sich deutlich abhebt von "gefälligem Belletristik-Deutsch".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.07.2000

Nach Stefan Weidner ist die Literatur Barakats vor allem von Extremen geprägt, die sich von Gewalterlebnissen in der Kindheit herleiten und möglicherweise nicht für jeden Leser leicht erträglich sind. So habe Barakat in seinem früheren Band "Der eiserne Grashüpfer" Quälereien an Tieren geschildert, die von kaum akzeptabler Brutalität sind, gleichzeitig aber nur eine Wiederspiegelung erlittenen Unrechts sind und darüber hinaus, "so pervers es anmutet, Poesie" zeigen. "Ein ästhetischer Grenzfall", so Weidner. Im nun vorliegenden zweiten Teil von Barakats Kindheitserinnerungen steht das Leben zwischen regelmäßig wiederkehrenden Militärputschen in Syrien im Vordergrund. Auch hier gibt es, so Weidner, Szenen grausigster Art, allerdings auch "absurde, rabelaishafte Komik". Die Qualitäten des Romans macht der Rezensent vor allem in Barakats Distanzlosigkeit aus, sein Erzählen sei "ungetrübt von jeglicher Reflexion", und daher von großer Sinnlichkeit, findet er, und weist darauf hin, dass die Übersetzung von Burgi Roos diesem "Höchstmaß an Unmittelbarkeit" durchaus gerecht wird.

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